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Das Reich der Träume wob ſinnend ſeine goldenen Flore über Glocken und Kelche.— Da wanden ſich leiſe und lind die Töne einer fernen Abendglocke durch Blätter und Stauden und legten ſich wie Him⸗ melsgrüße einer ſchönen Welt an unſer Herz. Sie neigte wunderbar bewegt ihr ſüßes Haupt gegen meine Bruſt und ich hauchte einen leiſen Kuß auf die ſchöne Stirn.
„O Seraphine,“ flüſterte ich,„ſeligſter Traum mei⸗ nes Lebens, reizender Gedanke einer ſchönen Welt—“ und ich bat die Holdſelige, warum ich ſchon ſo oft vergebens gebeten, um eine Locke ihres ſchönen Haars. Sie antwortete nicht und blickte wie eine träumende Blume nach dem immer tiefer ſinkenden Abendſtern.
„Er ſinkt gen Frankreich,“ ſprach ich leiſe,„bald folg' ich ihm,“ und wiederholte meine Bitte in wei⸗ chem flehenden Tone.— Da tönte eine bekannte Hofthürſchelle.
„Die Aeltern ſind zurück,“ ſprach Seraphine, ſtand ſchnell auf und eilte den Gartengang entlang. Ich folgte. Im Wohnhaus am Eingang des Gar⸗ tens war es lichthell geworden. Ich trat in den
Salon, wo ich die heimgekehrten Aeltern begrüßte,
und wo das Abendeſſen ſchon bereit ſtand. Letztes heiliges Abendmahl in jenem ſchönen deut⸗ ſchen Frühlinge voller Blumen und Liebe. Zum
letzten Male ſaß ich gegenüber der reizenden Verkün⸗
derin einer Unſterblichkeit. Die Römer klangen an einander auf meine dereinſtige Wiederkehr, aus dem ſchönen Frankreich. Und als ich mit ihr anklang und der Ton ſo rein und golden die Luft durchzog wie ſterbendes Abendroth, verſank ich zum letzten Male in jene ſeligen Himmel ihrer blauen Augen, und un⸗


