Teil eines Werkes 
23. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : 2. Band (1855)
Entstehung
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ten der Theologie in ſeiner Praxis noch nicht vorge⸗ kommen. Alle Räubergeſchichten, die er in ſeiner Jugend mit großer Begier geleſen, ſie aber ſpäter für Fabeln erkannt hatte, traten wieder vor ſeine auf⸗ geregte Phantaſie. Stand vielleicht über den Sternen geſchrieben, daß er der Ritter und Retter dieſer Ge⸗ noveva werden ſollte? Er lauſchte lange und gerieth in einen großen Streit mit ſich. Sollte er in ſeinem Verſteck ausharren und den Verlauf der Schauerthat ruhig mit abwarten, denn die finſtern Geſellen hatten es unfehlbar auf das Leben des jungen Frauenzim⸗ mers abgeſehen, oder ſollte er ſich ſo leiſe als mög⸗ lich aus dem Staube machen und den gefährlichen Schauplatz verlaſſen, oder ſollte er endlich wie ein Recke der Vorwelt hervorſtürzen und mit Gefahr ſei⸗ nes Lebens die hilfloſe Gefangene befreien?

Er wählte lange, bis endlich das herzzerreißende Gewimmer der jungen Dame ſein Innerſtes erſchüt⸗ terte und ſeinen Muth ſtählte. Er lauſchte noch eine geraume Zeit, ob die Räuber nicht etwa wieder nah⸗ ten, dann kroch er in ſeiner Nankingjacke hinter dem Geſträuch hervor, ergriff ſein Taſchenmeſſer, durch⸗ ſchnitt die Banden, womit die Gefangene gefeſſelt war, band ihr das Tuch ab, welches ihr den Mund verdeckte und ergriff mit ihr die Flucht. Elias konnte ſich in der Folge ſelbſt nicht genug wundern, wie er mit einem Male zu ſo großer Geiſtesgegenwart und ſolchem Heldenmuth gelangt ſei.

Die Befreite folgte auch ihrem Retter ohne Zö⸗ gern und bald hatten die Beiden das Ende des Wal⸗ des erreicht. Von hier war das Städtchen Krautberg, der Wohnort des Candidaten, keine zwei Stunden mehr entfernt.

Jetzt erſt, nachdem die Flüchtlinge ſich nicht ver⸗

Stolle, ſämml. Schriften. XXIII. 2