Teil eines Werkes 
23. Band, Je länger je lieber : Phantasiestücke und Erzählungen : 2. Band (1855)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

6

ſche wohlbehalten beim Oberconſiſtorial⸗Präſidenten anlangte, ward ihm die Todesbotſchaft, daß die Stelle bereits vergeben. Der glückliche Bräutigam der Nichte des Superintendenten, in deſſen Ephorie die vacante Pfarrei gehörte, hatte ſie erhalten.

Dahin waren nun zum ſiebenundzwanzigſten Male die ſchönſten Hoffnungen und ſüßen Träume. Dahin war das Stübchen mit der Ausſicht nach dem Gar⸗ ten, das Brätchen an Sonn- und Feiertagen. Nicht ſich ſelbſt bedauerte der arme Candidat, aber ſein Mütterchen, die ja mit ihm leiden und darben mußte in ihren alten Tagen.

Das war ein recht trüber Geburtstag für unſern Elias. Er zählte ſeine paar Groſchen, ſie reichten kaum zur Rückreiſe. Eine kleine Summe, die er ſchon ſeit langen Jahren in der Hauptſtadt außen⸗ ſtehen hatte und die er diesmal einzutreiben ſich die gewiſſe Hoffnung gemacht hatte, konnte er aus dem einfachen Grunde nicht erhalten, weil ſein Schuldner bereits ſeit längerer Zeit verdorben und geſtorben. Dies war ein neuer harter Schlag für den Armen. Nicht für ſeinen Nutzen hatte er das Sümmchen zu verwenden gehofft. Aber ſein Mütterchen brauchte recht nothwendig ein neues kattunenes Sonntagskleid⸗ chen. In dem zeitherigen war ſie nun bereits ſeit funfzehn Jahren gelaufen. Es war ganz verwaſchen und verſchoſſen, ſo daß es für die Kirche wirklich nicht mehr gehen wollte. Auch der Einkauf eines hübſchen Halstuchs für den Bruder war ſein ſtiller Plan geweſen.

Nun war durch den Tod des inſolventen Schuld⸗ ners auch die Hoffnung zu Waſſer geworden.

Elias war ſo menſchenfreundlichen Herzens, daß

S