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bis zur letzten Candidatenprüfung, er hatte ſtets wohl beſtanden, hatte ſtets Lob eingeerntet ob ſeines aus⸗ dauernden Fleißes und ſeiner ſoliden Kenntniſſe; aber was half ihm Alles, immer waren Glücklichere vorgezogen worden, und ſo war der Arme vertröſtet worden bis in ſein vierzigſtes Jahr, das er nun bald betreten ſollte.
Einem Candidaten der Theologie von vierzig Jahren kann auf dieſer Erde wohl kaum am Wohl⸗ ſten zu Muthe ſein, zumal wenn er noch eine arme Mutter und einen kranken Bruder zu ernähren hat und ſein Einkommen auf mühſames Stundengeben beſchränkt iſt. Bei dem armen Elias war dies der Fall. Von früh bis zum ſpäten Abend ſah man ihn im dürftigen Fracke die Gaſſen und Gäßchens des Städtchens Krautberg auf⸗ und ablaufen, aus einer Familie in die andere, hier im Latein, dort im Piano, dort in irgend einer andern Elementarwiſſen⸗ ſchaft Unterricht ertheilend. Kam er dann ſpät des Abends als gehetztes Reh todtmüde nach Hauſe, ſo hatte er doch nie vergeſſen, als guter Sohn und Bruder ſeinem Mütterchen ein Weißbrötchen oder zur Faſtenzeit ein paar Bretzeln mitzubringen, womit er bei den genügſamen Seinen allemal große Freude an⸗ richtete. Dann ſtreckte er ſich behaglich auf das hart⸗ gepolſterte Sopha und ſchlürfte ſein Glas Dünnbier mit einer Behaglichkeit, als wär' es eben Rebenſaft. Der Zufriedene braucht ſo wenig, um glücklich zu ſein, aber oft muß der Arme auch auf dies Wenige verzichten.
Es war bereits das ſiebenundzwanzigſte Mal, daß Weithaas um ein vor Kurzem erledigtes dürftiges Pfarrſtellchen im hohen Gebirge angehalten hatte. Er mußte zu dieſem Zweck allemal perſönlich nach


