Teil eines Werkes 
18. Band, Die Erbschaft in Kabul : komischer Roman : 1. Band (1854)
Entstehung
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dieſe guten Menſchen einander näher bekannt worden und hatten ſich ſo innig verſtanden, daß ihnen eine jedesmalige Trennung ſchwer fiel. Das gemeinſchaft⸗ liche Intereſſe an den abweſenden Geliebten band ſie nur feſter an einander. Darum war kaum eine Woche nach Victor's und Gamaliel's Abreiſe verfloſſen, als Felicitas nach Friedrichshof zog. Die Mutter Ga⸗ maliel's hatte aus keinem andern Grunde den Bitten der neuen Freunde ſo lange widerſtanden, als weil ſie dem Wunſche des Teſtaments nachkommen zu müſ⸗ ſen glaubte, dem zu Folge ſie das Gut Siebeneichen kaufen und eines Abends den unbekannten Pilger er⸗ warten ſollte. Sie hatte ſich über dieſe Stelle im Teſtament gar oft im Stillen den Kopf zerbrochen, und auch Morand rieth hin und wieder, ohne den dunkeln Sinn enträthſeln zu können.

Endlich hatte der General mit den Worten: Wenn Ihr Fremdling Sie auf Siebeneichen nicht vorfindet, wird er Sie ſchon auf Friedrichshof auf⸗ ſuchen, die letzte Bedenklichkeit der Wittwe nieder⸗ geſchlagen und ſie ward eine Bewohnerin des ſchönen Schloſſes, wo ſie wie ein Glied der Familie gehalten wurde. Klotilde hing mit kindlicher Liebe an der edeln Frau, und dieſe wieder fand an dem holden Mädchen einen Erſatz für den abweſenden geliebten Sohn.

General Morand hatte nicht unrichtig prophezeiht. Nach Verlauf eines halben Jahres ſtellte ſich der Pilger, welcher Felicitas vergebens auf Siebeneichen geſucht hatte, wirklich auf Friedrichshof ein. Es war Niemand anders, als der Hofmaler mit Olivien. Er erſtaunte nicht wenig, hier außer ſeiner Tante auch die Familie ſeiner geliebten Gattin, welche unter den Roſen Afghaniſtans ſchlief, anzutreffen.