Teil eines Werkes 
18. Band, Die Erbschaft in Kabul : komischer Roman : 1. Band (1854)
Entstehung
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Wer vermöchte die mannigfachen Endeckungsſcenen würdig zu ſchildern und die darauf folgende Freude? Jetzt ward der Ankauf von Siebeneichen ganz aufge⸗ geben. Auch Balthaſar mußte in Friedrichshof blei⸗ ben, welches der wohnlichen Räume in Menge darbot.

Ein wahrer Himmel ſank von nun auf die glück⸗ lichen Schloßbewohner hernieder, der nur von den Sorgen für die geliebten Kabulfahrer zuweilen ge⸗ trübt ward. Aber dem klaren, blauen Herbſthimmel des nächſten Jahres und den ſich färbenden Aſtern war es vorbehalten, auch dieſe Wolken zu verſcheu⸗ chen. Gamaliel und Victor kehrten um eine Welt reicher an Erfahrung, geprüfter und kräftiger zu den Ihrigen zurück. Hatte Letzterer auch nur das blü⸗ hende Grab derjenigen gefunden, wegen der er die weite Reiſe überhaupt angetreten, ſo bereute er doch keineswegs die Weltfahrt an der Seite des geliebten Freundes unternommen zu haben. Kaum aber hatte

die ſchöne Olivia erſchaut, als es wunder⸗ bar licht in ſeinem Innern ward. Ja, ſie war es geweſen, die im fernen Weltmeer von der Abendſonne verklärt ihm vorübergeſchwebt. Der Himmel Afgha⸗ niſtans hatte ſeinen Einfluß auf das reizende Ge⸗ ſchöpf nicht ganz verläugnet. Ihr Teint war etwas dunkler, ihr Auge feuriger und ihr Wuchs üppiger als der Klotilden's, und obſchon kaum vierzehn Früh⸗ linge zählend, glich ſie einer Jungfrau von achtzehn.

Und es währte nicht lange, da keimte neue Lie be und neue ſtille Seligkeit zog ein in die ſchönen Hal⸗ len von Friedrichshof. Gamaliel's und Klotilden's Herzen hatten ſich gefunden einerſeits, während Vietor

Stolle, ſämmtl. Schriften. XVIMI. 15