Teil eines Werkes 
18. Band, Die Erbschaft in Kabul : komischer Roman : 1. Band (1854)
Entstehung
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Reuntes Rapitel.

E⸗ hieße die Anzahl der Kapitel dieſes Buches in's Unendliche vermehren, wollte man die Abenteuer der Niederroßlaer, bevor ſie das gewaltige Afrika umſchifft, Oſtindien und ſpäter Afghaniſtan erreicht, mit der zeitherigen Ausführlichkeit beſchreiben.

Der große Tag, wo die von dem Hofmaler Haſ⸗ ſan⸗ben⸗Mullah niedergelegte Erbſchaft den Nieder⸗ roßlaern von Seiten der Kabul'ſchen Gerichte überge⸗ ben werden ſollte, war erſchienen. In hoher Galla verfügten ſich die Erbfahrer, theils zu Wagen, theils zu Roß nach dem Juſtizhofe. Der unſichtige Lage⸗ mann hatte in der Eile das Niederroßlaer Stadtwap⸗ pen mit dem eingehörnten Ochſenkopfe, das unter⸗ wegs verloren gegangen war, von einem Kabul'ſchen Blechſchmied als Doublette anfertigen laſſen und ſich und den Actuar, als diplomatiſche Perſonen, damit behangen.

Obſchon die Afzhanen in ihrem geſelligen Um⸗ gange nicht ohne mannigfache Ceremonie ſind, ſo ka⸗ men dergleichen doch bei dem Gerichtsperſonale und bei deſſen Verhandlungen keineswegs vor. Sobald die Documente der Erbfahrer für richtig befunden worden waren, nahm die Auszahlung der Legate ihren Anfang.

Zuerſt kam Gamaliel Drollinger, als Haupterbe, an die Reihe. Er erhielt eine ſo bedeutende Summe in Golde ausgehändigt, daß ſämmtliche Miterben in Erſtaunen geriethen und Lagemann vor Neid faſt ver⸗ gehen wollte.

Es geht doch nirgends ungerechter zu als in der Welt, raunte er dem Heldenſpieler in's Ohr,wo⸗