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„Nein, Lagemann, für ſo entartet hätt' ich Euch nicht gehalten.“
„Ich wette, Hanno, Ihr macht's gerade ſo wie ich.“
„Wie verkennet Ihr mich, Lagemann.“
„Hanno, thut doch nicht ſo, ich kenn' Euch nicht von geſtern.“
„In Sachen der Religion hab' ich meine Grund⸗ ſätze.“
„Die hat ein Jeder.“
„Eh' ich Muſelmann würde, ja da wäre ich eher im Stande, den letzten Blutstropfen zu verſpritzen—“
„Nun da ſpritzt zu, ich will mein Blut behalten. In ſolchen Dingen hat Jeder ſeine beſondern Anſich⸗ ten. Ich denke aufgeklärt.“
„Für meinen Glauben könnt' ich Alles wagen. Tod und Scheiterhaufen ſollten mich nicht abtrünnig machen von der Religion meiner Väter.“
„Das klingt Alles recht ſchön, Hanno, aber wenn's dazu kommt, wenn's heißt, jetzt knie nieder, Chriſtenhund, jetzt wollen wir Dir den Bauch auf⸗ ſchneiden, Hanno, das iſt ein kitzliches Ding. Und auf der andern Seite zehn Weiber und ein Leben voller Freude und Wonne.“
„Meinetwegen dreitauſend Weiber.“
„Hanno, Menſch bleibt Menſch. Die Verſuchung iſt groß. Uebrigens ſind unter den Türken auch ehr⸗ liche Leute, und wer rechtſchaffen lebt, kann in der türkiſchen Religion auch ſelig werden. Ehedem waren freilich die Leute noch ſo beſchränkt, daß ſie nur den Bekennern ihres Glaubens dereinſtige Seligkeit zuge⸗ ſtanden. Aber die Zeiten haben ſich geändert. Der Samen der Aufklärung hat Wurzel geſchlagen. Auch ich bin ein Freund der Aufklärung.“


