Teil eines Werkes 
18. Band, Die Erbschaft in Kabul : komischer Roman : 1. Band (1854)
Entstehung
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tung verlor. Er fuhr zitternd eine lange Zeit um⸗ her, bevor er der brennenden Liebe wieder habhaft wurde, worauf er aber ſogleich losſchoß und der An⸗ gebeteten an den Hals fiel. Bei näherer Beſichtigung kühlte ſich ſein Eifer indeß auffallend ab. Er machte die Entdeckung, daß er ſich geirrt habe, denn die Frauensperſon gegenüber entſprach keineswegs dem Ideal, das in ſeiner Phantaſie Poſto gefaßt hatte. Obſchon dieſes alternde Geſicht gleichfalls verſchwen⸗ deriſch von Locken umwogt wurde, ſo konnte daſſelbe doch unmöglich dem ſtattlichen Lockenkopfe angehören, der die ganze Zeit daher ſein Herz in Affection ge⸗ nommen hatte. Es war unbeſtritten eine ältere Schweſter, oder, was dem Factor weit wahrſcheinlicher erſchien, die Frau Mutter.

Dem aufmerkſamen Factor mit ſeinem Teleſcop entging nicht die geringſte Bewegung der Frau Mut⸗ ter und er konnte ſich oft eines mißbilligenden Kopf⸗ ſchüttelns nicht erwehren. Sie geberdete ſich ja wie ein achtzehnjähriges Mädchen. Er bedauerte ſein Ideal, das ihm bei einer ſolchen gefallſüchtigen Mut⸗ ter keineswegs gut aufgehoben ſchien. Plötzlich ward's ihm aber außer'm Spaße. Wenn ihm nicht alles trog, ſo warf die Frau Mutter verliebte Kußhändchen herüber; zugleich befeſtigte ſie an die brennende Liebe einen Zettel, worauf der Factor ganz deutlich buchſtabirte: Mein Herz ſchlägt einzig nur für Dich, ſüßer Fremdling!

„Das Weib iſt verrückt,“ ſprach Süßmilch ganz aufgebracht und ſtellte ſofort ſeine nicht eben beloh⸗ nenden aſtronomiſchen Beobachtungen ein.„Eine ſo gewiſſenloſe Mutter iſt mir noch gar nicht vorgekom⸗ men; die will mich der einzigen Tochter abtrünnig