2
des verliebten Factors, und ſie beſchloß, das ſüße Be⸗ kenntniß nicht unerwiedert zu laſſen. Ein Stock mit brennender Liebe, den ſie unmittelbar darauf vor das Fenſter ſchob, ſollte ſymboliſch andeuten, daß die Flammen der Liebe auch in ihrem ſchwachen Herzen gezündet hätten.
Süßmilch, der ſich hinter ſeinen Hortenſien wie ein Luchs gelagert hatte und mit verhaltenem Athem auf den Erfolg lauſchte, den ſeine Fractur in der Manſarde gegenüber hervorbringen würde, war außer ſich vor Entzücken, als er die urplötzliche Blumen⸗ ausſtellung gewahrte, die mit ſeinem Papierzettel in zu auffallendem Rapporte ſtand, als daß er dieſelbe nicht hätte auf ſich beziehen ſollen. Nur aus der Blumenart ſelbſt konnte er ſeiner Kurzſichtig⸗ keit nicht ganz klug werden. Bald ſchienen es ihm Roſen, bald Levkoien. Er mußte hierüber in's Klare kommen, dies ſtand feſt; der Gegenſtand war von zu großer Wichtigkeit. Liebe macht erfinderiſch. Er ent⸗ ſann ſich, daß der Wirth ein ziemlich langlaufiges papiernes Perſpectiv beſitze, vermittelſt welchem er und ſeine Gäſte oft die Schiffe im Hafen zu beobach⸗ ten pflegten. Nach dieſem für Süßmilch's Zuſtände ſo wohlthätigen Inſtrumente erwachte jetzt ſein Ver⸗ langen. Der Factor kletterte ſofort ein Stockwerk tiefer nach der allgemeinen Gaſtſtube, wo er wußte, daß der Gucker ein Stück des Inventariums aus⸗ mache. Süßmilch entdeckte auch alsbald den Gegen⸗ ſtand ſeiner Sehnſucht, welcher ihn in den Liebeshim⸗ mel einführen ſollte, und ſtürzte wie ein Lämmergeier auf den Gegenſtand ſeiner Begierde, und war im Nu damit verſchwunden.
Nie hat wohl ein Aſtronom ſein Obſervatorium mit größrer Glückſeligkeit beſtiegen, als der Factor


