Teil eines Werkes 
18. Band, Die Erbschaft in Kabul : komischer Roman : 1. Band (1854)
Entstehung
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tirtochter. Beide waren ſelig und machten den erſten Curſus der Liebe in all' den kleinen roſenrothen Atomen und überzuckerten Broſamen durch, wie zwan⸗ zig Jahre jüngere Leute. Eine ideale Liebe braucht erſtaunlich wenig zu ihrem Leben und Gedeihen. Ein Rouleauaufziehen, ein Fenſteraufmachen, ein Blumen⸗ topf, das find für ſie alles Dinge und erotiſche Tele⸗ graphen von der höchſten Wichtigkeit. Auch zwiſchen dem Factor und ſeinem vierzigjährigen Gegenüber entſpann ſich ein ſolches ſymboliſches Kreuzfeuer. Die Lockenfabrikantin ſtellte einige Blumenſtöcke an's Fen⸗ ſter, welche ſie häufig zu begießen pflegte, wobei ſie ſich mit Sentimentalität geberdete. Dem Factor ent⸗ gingen nun ob ſeines kurzen Geſichts zwar die fei⸗ nern Nuancen dieſer weiblichen Koketterie, aber ſein verliebter Inſtinct witterte doch ſo viel, daß das fleißige Blumenbegießen ſeinen abſonderlichen Haken habe. Der wonnige Gedanke, daß er wohl ſelbſt der Haken ſei, ſchraubte ſeine Liebe und Seligkeit zur außerordentlichen Höhe.

Hiermit hätte ſich Süßmilch, wenn er geſcheut geweſen wäre, begnügen ſollen, aber ein Verliebter iſt nie ganz geſcheut. Der Factor ging weiter und legte ſich, wahrſcheinlich aus Nachahmungstrieb, gleich⸗ falls auf die Gärtnerei. Dies hätte ſein mögen, aber auch hiermit war der blaſſe Blondin nicht zufrieden. Die Liebe macht kühn und verwegen. Demzufolge ließ er ſich Papier, Tinte und Feder geben und ſchrieb mit vieler Kunſt und mit drei Zoll langen Buchſta⸗ ben die bedeutungsvollen Worte:„Welch ein himm⸗ liſches Vergnügen iſt nicht die Liebe!!!“ Die letzten drei Ausrufungszeichen waren von einer wahren rie⸗ ſigen Größe. Mit entzücktem Schauer las Aurikula, ſo hieß die Poſamentirertochter, die großartige Fractur.