9
Heimathsland wird dann in lieblicher Erinnerung in Deiner Seele fortleben.“
„Es wird dies auch ohne die Veilchen von Peſcha⸗ wer,“ verſetzte Haſſan, der ſeiner innern Bewegung nur mit Mühe Meiſter ward;„glaubſt Du, Ismael, daß man ein Land wieder vergißt, wo man Gaſt⸗ freundſchaft und Liebe in reichem Maaße fand? Du weißt, daß viele Worte und Deelamationen nicht meine Sache ſind, aber hier beim Abſchiede an der Grenze Deines Landes mag ich es wohl geſtehen, daß die Jahre und Stunden, die ich, obſchon tauſend Meilen von der deutſchen Heimath, unter Euch verlebte, die glücklichſten meines Lebens waren; und wenn nicht das Licht meines Lebens in Euren Thälern erloſchen wäre, und ich das Theuerſte unter Euern Roſen hätte begraben müſſen, würde ich wohl ſchwerlich an eine Heimkehr nach dem Abendlande gedacht haben.“
„Und wer ſoll künftig die Roſen begießen,“ frug Ismael, nicht ohne Wehmuth,„die auf dem Grabe der weißen Perle wachſen?“
„Das ſollſt Du thun, geprüfter Freund,“ er⸗ wiederte Haſſan, indem er dem Frager die Hand mit einem Blicke reichte, aus welchem ungeheuchelter Schmerz und Liebe ſprach.
„Beim Propheten,“ betheuerte Ismael,„Du haſt keinen Unrechten gewählt; ſobald die erſten Frühlings⸗ küſſe die finſtre Stirn des Hindukuſch berühren, und ſeine erſten Lawinen in die Thäler rollen, ſoll von meiner Hand gepflegt, die Schlummerſtätte in ſtiller Roſenpracht erblühn, die weiße Perle vom Paradieſe hernieder lächeln.“
Nach einer Pauſe längern Schweigens fügte er mit ſchmerzlichem Unwillen die Worte hinzu:„Gleich⸗ wohl hätteſt Du nicht davon gehen ſollen.“


