Teil eines Werkes 
16. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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ſeine Güte iſt ſo groß, wie vordem, darum geziemt uns nicht zu verzweifeln; ſuchen wir die Stärke der Lawine zu erforſchen. Wenn wir die Hände nicht zaghaft in den Schooß legen, iſt noch immer Hoff⸗ nung vorhanden, daß wir uns herausarbeiten. Viel⸗ leicht wird auch Hülfe von Außen.

Dem Andreas gelang es endlich, die Lampe wie⸗ der anzuzünden. Er unterſuchte die Thür und die mit Moos verwahrten Fenſter, aber vergebens war ſein Bemühen, die letztern zu öffnen, mit ſolcher Fe⸗ ſtigkeit hatte ſich die Schneemaſſe von Außen ange⸗ lehnt. Der Schornſtein war zuſammengedrückt, der Ofenrauch fand keinen Ausweg und erfüllte das In⸗ nere mit erſtickender Atmoſphäre. Man war genöthigt, das Feuer auszugießen.

Andreas arbeitete mit Rieſenkraft, um die Thüre frei zu machen. Auch der alte Nicodemus und Mar⸗ tin legten eifrig Hand an. Aber vergeblich war ihre Anſtrengung. Nach mehrſtündiger Arbeit ermatteten ihre Kräfte; kraftlos ſanken ihre Arme. Es blieb nichts übrig, als für heute die Ruhe zu ſuchen. Ein unruhiger, unerquicklicher, von böſen Träumen gequälter Schlummer umfing die Verſchütteten.

Als die kleine ſchwarzwälder Wanduhr die Stun⸗ den des jungen Morgens verkündete, erquickte kein Strahl des Tages die unter hoher Schneedecke Begra⸗ benen. Indeß ließ man es an neuen Anſtrengungen nicht fehlen. So gelang es auch, einen ziemlich lan⸗ gen Gang durch den Schnee nach der Richtung zu gra⸗ ben, in welcher man hoffte, am Kürzeſten in's Freie zu gelangen.

In trauriger Oede verfloß der zweite Januar. Wieder ſank außerhalb die Nacht hernieder und die Sterne traten hervor, ohne daß die lebendig Begra⸗