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herrſchte Todtenſtille. Der Jüngling kehrte in die Hütte zurück und war bemüht, die Verlobte ſo wie den kleinen Martin zu tröſten, obſchon ſein Inner⸗ ſtes von der bangſten Beſorgniß erfüllt war. Seine einzige Hoffnung war die Ausſage des erfahrenen Nicodemus, welcher ſchon mehre Lawinen des Adler⸗ ſteins erlebt hatte, die alle in bedeutender Höhe über die Hütte hinweggerollt waren, ohne dieſelbe zu verletzen.
Das herzerfreuende Getränk, welches der Kräuter⸗ ſammler bereitet hatte, verſcheuchte indeß auf kurze Zeit die trüben Ahnungen, welche die Bruſt der jün⸗ gern Leute erfüllten.
„Das neue Jahr ſoll leben,“ ſprach Nicodemus, indem er von Neuem ſein Glas erhob und mit ſei⸗ nen Lielen anklang,„möge es Freud' oder Leid in ſeinem Schvoße bergen; Gott meint es immer gut mit ſeinen Kindern in Freud' wie im Leid.“
Wie Glocken klangen die Gläſer an einander— da begann das Häuschen in ſeinen Grundfeſten zu erbeben, die Lampe ſtürzte um, Marie und Martin wurden zu Boden geworfen— eine der gewaltigſten Lawinen war donnernd von dem Gipfel des Adler⸗ ſteins herniedergerollt und hatte die Wohnung des Kräuterſammlers häuſerhoch unter dem Schneegebirge begraben.
Erſt nach einer langen fürchterlichen Pauſe hatte ſich Andreas in ſo weit erholt, die Größe des Un⸗ glücks zu unterſuchen.
„Wir ſind lebendig begraben,“ ſprach er in ver⸗ zweiflungsvollem Tone; dann war er bemüht, die ohn⸗ mächtige Braut in's Leben zurück zu rufen.
„Gott iſt ja nicht mit begraben,“ erwiederte der fromme, glaubensfeſte Nicodemus,„ſeine Allmacht und
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