Teil eines Werkes 
16. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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Nicht ohne Beſorgniß war Andreas an das Fen⸗ ſter getreten und betrachtete nochmals die drohende Schneemaſſe.

Guter Vater, ſprach er endlich zu Nicodemus, wär's nicht beſſer, wenn Ihr Euch auf einige Tage nach Liebethal überſiedeltet? Der Adler ſieht mir bedenklich aus, ich traue dem Alten nicht, daß er uns eine Löwin auf den Hals ſchickt; er wird über kurz oder lang ſein Gefieder ſchütteln.

Die Löwin des Adlers, verſetzte ruhig der Greis,haben wir nicht zu fürchten; es wäre nicht die erſte, die ich erlebte; ſie ſpringt vorſichtig über unſere Wohnung hinweg, ohne nur den Firſt zu be⸗ rühren.

Aber drohender blickte noch keine in's Thal, bemerkte Andreas.

O mein Vater, bat die ſchöne Marie mit ge⸗ falteten Händen,mißachte nicht ſeine Worte; auch mir iſt der Adler noch nie ſo fürchterlich erſchienen. Wie bald ſind wir drüben im ſicher gelegenen Liebe⸗ thal; beim frommen Vater Arnold wirſt Du die freundlichſte Aufnahme finden. Wir führen Dich, da⸗ mit Dir die Wanderung nicht beſchwerlich wird.

Ihr Kleingläubigen und Verzagten, ſtrafte der Greis mit ſanftem Vorwurfe,was kümmert uns die Lawine? Wölbt ſich darüber nicht der heilige Him⸗ mel in ewiger Reine, wo Gott wohnt, unſer Schöpfer

und Erhalter? Seid Ihr nicht gekommen, Eure Ver⸗

lobung zu feiern? Iſt dies nicht eine heilige Hand⸗ lung, wo Gottes Liebe ſegnend über uns weilt? Soll ich mit dem erſten Tage des Jahres die ſeit ſiebzig Jahren bewohnte Hütte verlaſſen?

So wollen wir bleiben, antwortete leiſe Ma⸗ rie, und die Familie nahm Platz um den rieſigen