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häupter ſtrahlten noch im goldenen Glanze. Ein prachtvolles Schauſpiel. Ueber dunkler Nacht drohn⸗ ten die Goldberge in Majeſtät, während meilenweit Todtenſchweigen herrſchte. Die ſpärlichen Waldungen, ſo wie die Häuſer des Dorfes Liebethal waren mit hohem Schnee bedeckt, denn der Winter hatte mehr als gewöhnlich ſein eiſiges Haupt geſchüttelt.
Als Andreas und Marie am Fuße des Adlerſteins vorbei kamen, blieb erſterer ſtehen; ängſtlich umklam⸗ merte das Mädchen den Arm des Geliebten und ſchaute ſcheuen Blickes hinauf nach der fürchterlichen Höhe.
„Die Adlernaſe,“ ſprach der Jüngling,„deutet nichts Gutes; könnten wir den Vater nicht vermögen, daß er auf einige Tage nach Liebethal zieht?“
„Wir wollen ihn bitten,“ verſetzte Marie,„aber ich glaube nicht, daß er ſich bewegen läßt.“
Noch immer ſaß der alte Nicodemus in ſeinem Lehnſtuhl und belehrte den aufhorchenden Martin über die verſchiedenen Heilkräfte der Alpenkräuter, während letzterer beſorgt war, daß das Feuer im Ofen nicht ausgehe. Dann erzählte der Alte von den benachbarten Thälern, wo im Sommer die gol⸗ denen Blumen blühen, während die Gletſcher mit ewigem Eiſe bedeckt ſind, wo in freundlichen Gärten ſeidene Lüfte wehen, während hoch darüber auf den Felſen alles Leben erſtarrt. Er erzählte von den ein⸗ fachen und ſtrengen Sitten und der Freiheitsliebe der Vorältern und den alten heldenvollen Kämpfen, und wie das Schweizervolk nur dann groß und unbezwing⸗ lich ſei, wenn es zuſammenhalte und alle Zwietracht unter ſich vergeſſe.
Martinchen lauſchte lernbegierig der weiſen Rede, als Andreas und Marie in's Gemach traten.
Stolle, ſämmtl. Schriften. Xvl.


