Und immer weiter ging die Reiſe durch blühende Alleen und wogende Getreidefluren.
Johannes war ſehr weich geſtimmt.
„Willſt Du mein letztes Lied hören,“ fragte er den dahin ſchreitenden Eginhard,„das ich im lieben Buchenthal gedichtet habe?“
„Ja wohl, mein Hans,“ ſprach der nicht weniger ſentimental geſtimmte Freund,„es ſoll mich ſtärken, wie Manna in der Wüſte. Kommt etwa die Roſe von Segovia darin vor?“
„Es iſt ein bloßes Frühlingslied,“ antwortete Johannes,„treu der Natur nachgemalt.“ Er begann:
„Es wogt das Korn in grünen Wellen Und die Kaſtanienbäume blüh'n, Die Buſen junger Roſen ſchwellen. Und Purpur bricht aus Knospengrün.
„Vom Apfelbaume träufelt nieder Der letzte blutgefärbte Schnee; Doch tauſend Blumen ſchickt er wieder An ſeiner Stelle in die Höh'.
„Der Fliederbaum ſteht überhangen In reicher violetter Pracht; Kaum kann ein grünes Blatt gelangen Zum Himmel durch die Blüthennacht.
„Es will ſich Alles nun entzünden, Es bricht hervor aus Grab und Gruft, Ich weiß mich kaum zurechtzufinden Vor lauter Blumen, Klang und Duft.
„So ſteht in königlicher Schöne Der Frühling da, ein junger Held, Und jubelnd künden ſeine Töne,
Daß er die Braut umfangen hält.
„Und ich mit meinem kleinen Herzen, Denkt, liege hier in's Gras geſtreckt, Umleuchtet rings von Frühlingskerzen Und halb von Blumen zugedeckt.


