Teil eines Werkes 
16. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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Als er Wertheim die Hand reichte, band er die⸗ ſem wiederholt auf die Seele, das alte Frankenſchwert, welches er im Thurme gefunden, ja mit nächſter Ge⸗ legenheit und wohlverwahrt nachzuſenden.

Johannes ſchaute noch einmal in Eugenien's blu⸗ menhafte Augen, hauchte den Abſchiedskuß auf die ſchöne weiße Hand, welche zitternd in der ſeinen ruhte, und fortwanderten die Jünglinge, während die Zurückbleibenden lange nachſchauten, bis die Wan⸗ derer hinter den wogenden Korn⸗ und Weizenfluren verſchwunden waren. Dann kehrten auch ſie langſam und wortkarg nach Buchenfels zurück.

Die beiden Freunde wanderten eine geraume Zeit ſchweigend neben einander. Jeder war in ſeine Ge⸗ danken und Träume verſunken. Als ſie eine Anhöhe erreicht hatten, blieben ſie ſtehen und ſchauten lange auf das Frühlingsthal zurück, wo ſie gewiß die ſchön⸗ ſten Stunden ihres Lebens verlebt hatten.

Johannes breitete ſehnend ſeine Arme nach der theuern Gegend aus. Noch konnte man das liebe Buchenfels in einiger Entfernung deutlich erkennen.

Frühling und Liebe, rief er,wie reich habt ihr uns in dieſem Thale mit euern duftendſten Ro⸗ ſen bekränzt.

Ja, Frühling und Liebe, ſeufzte Eginhard, und nun heißt's Pandekten und Prozeß, und bei mir, Exegeſe und Kirchenväter. Ein erbauliches Quiproquv. Aber was nicht zu ändern iſt, iſt nicht zu ändern. Post nubila Phoebus; per aspera ad astera.

Auch er ſtreckte die Arme über die blühende Ge⸗ gend und ſprach:

Lebt wohl, ihr Berge, ihr geliebten Triften, Ihr traulich ſtillen Thäler, lebet wohl.