Teil eines Werkes 
16. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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Jetzt frag' und beſchwör' ich Dich, Beſter, fragte Eginhard den Johannes, mit dem er in dem ſchönen Frühlings⸗Nachmittage dahin wanderte,wo findeſt Du vom ſeligen Hiob, dem Urahn aller Poeten, bis auf heute eine Dame einfacher, maleriſcher, himmliſcher gezeichnet, als in dieſen wenigen Worten des göttli⸗ chen Heine?

Johannes, der nicht unbeleſen war, begann jetzt zu citiren, aber mit ſchlechtem Erfolge. Welch' herr⸗ liche poetiſche Gemälde weiblicher Schönheiten er vor⸗ brachte, ſie waren dem Freunde nichts gegen die obige Heine'ſche Zeichnung. Unglücklicherweiſe gerieth der Citant auch auf Fougué's Cvrona, und begann mit dem bekannten Verſe:

Ja dieſe finſtern braunen, dunkeln Locken zc.

Der Gedanke an Fouqus brachte den Heineaner in Harniſch.

Schweig mir von dieſem Ritter von der trauri⸗ gen Geſtalt, rief er.War er es nicht, der 1815 den in ſein Reich zurückgekehrten Napoleon nicht als Kaiſer anerkennen wollte? O armes Poetlein. Wo tauſend und aber tauſend Herzen zum Himmel jubel⸗ ten und freudig bluteten für den Mann der Jahrtau⸗ ſende, den weltlichen Heiland, da will ſich der Herr Baron ein romantiſches Air geben, ſchlägt ſich in die Bruſt und erklärt, er werde dieſen Mann nicht aner⸗ kennen. O Lächerlichkeit, und das will ein Dichter ſein? Aber man braucht nur einen Blick auf ſeine Verſe zu werfen, um von dieſem verbreiteten Irrthume zurück⸗ zukommen.

Johannes, obſchon er an des Freundes Hyperbeln gewöhnt war und auch wußte, daß ſie bei Weitem nicht ſo gemeint waren, konnte doch dergleichen ober⸗