2⁴
Räthſel tief in ſeiner Bruſt geruht hatte— der Name — Eugenie.
Dem aufmerkſamen Leſer wird jetzt hoffentlich über unſern Johannes ein Licht aufgegangen ſein. Hatte der heitre Frühlingsmorgen, wo er nach dem Briefträger ſpähete, das Dejeuner bei Orlando nichts verrathen, der Abſchied am Thore nur ahnen laſſen, ſo konnte es doch am tiefſchattenden Abend, wo die Sehnſucht, dieſe ſüße blaſſe Tochter der Unſterblich⸗ keit, ſtärker duftet, wie die Nachtviole, nicht verbor⸗ gen bleiben, daß auch in ſeinem Herzen ein holdes Bild lebte, daß vielleicht die Liebe ihre erſten gold⸗ nen Funken hineingeworfen hatte. Gleichwohl ſchien es nur das erſte Frühlingsahnen, das erſte Sehnen der Knospe zur Sonne. Wie ein ſeliges Morgen⸗ roth war Eugenien's Bild vorüber geſchwebt. Ob er ſie ſelbſt je wieder zu ſehen hoffen konnte, das war der ſüße Schmerz ſeines Innern. War das Mädchen nicht auf der Durchreiſe begriffen geweſen?
Aber dich, heilige Stunde des erſten Findens, des erſten ſeligen Himmelsblickes in jene Welt, der erſten ſichern Gewißheit von einem Engellande, von einer Unſterblichkeit— dich hatte er empfunden.
Johannes mußte lange nach Eginhard ſuchen und fand ihn endlich mitten unter den Tanzenden, ein liebliches Landmädchen am Arme, luſtig dahin walzend.
„Greif zu, Hans,“ rief der Tänzer ſchon von ferne;„lerne das Glück ergreifen.“
Aber Johannes war gar nicht zum Tanzen aufge⸗ legt, und mußte nur im Stillen den Freund be⸗ lächeln, der noch vor Kurzem ſo pathetiſch über die Nichtigkeit alles Irdiſchen, über Tod und Unſterblich⸗ keit deklamirt hatte. Endlich gelang es ihm, Egin⸗ hard zum Weiterwandern zu bewegen.


