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lends zuſammen zu packen; und dem verehrten Leſer kann zugleich vertraut werden, warum Johannes grade heut auf dem Briefträger ſo erpicht war.
Die Sache war dieſe. Der Onkel unſers Jo⸗ hannes, ein Mann an Hetzlichkeit, Biederkeit und Humor, wie es wenige giebt, hatte ein höchſt roman⸗ tiſch gelegnes Waldſchloß ererbt; und da die Lage deſſelben ſo wunderſchön und die Gegend ſo roman⸗ tiſch, daſſelbe mit ſeiner Familie ſeit Kurzem für be⸗ vorſtehenden Frühling und Sommer bezogen; den Neffen aber bereits gelegentlich einladen laſſen, die bevorſtehenden Frühlingsferien bei ihm zuzubringen, und heute ſollte denn die vfficielle Einladung erfolgen, nebſt erklecklichem Viaticum.
Johannes, nachdem er noch ein paar juriſtiſche Wälzer in den Torriſter geſchoben, eilte wieder an's Fenſter und hatte den Moment ſo gut getroffen, daß er nicht lange zu warten brauchte, als Flügel aus dem Nachbarhauſe ſchief über heraustrat. Dieſer, ſo wie er unſern Freund, der auch der ſeinige war, anſichtig wurde, ſchwenkte ſeine Mütze hoch in der Luft, und verſchwand gleich wieder in der angren⸗ zenden Tabackshandlung.
Dieſes Mützenmanöver war aber ein äußerſt gün⸗ ſtiges Phänomen für Johannes, der ſich Flügeln zum lebendigen Telegraphen abgerichtet hatte. Ihm blieb jetzt nichts Eiligeres zu thun, als Feder und Tinte zum Quittiren hervorzuſuchen; und bald trat der Geſegnete des Herrn in's Zimmer.
Der Brief des Oheims, dem zu Johannes frohem Schreck mehre Louisd'ore begleiteten, lautete aber wie folgt:
„Mein guter Hans! „Laß Alles ſtehen und liegen und komm zu uns.


