Teil eines Werkes 
16. Band, Moosrosen : Novellen und Erzählungen : 2. Band (1854)
Entstehung
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kleine Fenſterferien erlauben, da er mit dem Laufe des Brieſträgers genau bekannt war. Flügel brauchte wenigſtens eine Viertelſtunde, ehe er wie eine Maus die Schluchten und Gemächer des Frenzel ſchen Hau⸗ ſes, in welchem er unſichtbar geworden, durchfahren hatte. Johannes allein kannte ſieben ſtudirende In⸗ quilinen daſelbſt, die alle auf Geld lungerten und in Flügeln den Geſegneten des Herrn verehrten.

Indeß litt es unſern Freund nicht allzulange im Stübchen; er lag bald wieder im Fenſter und ſah durch die Puffe, welche unterdeß zwei ebenbürtige Colleginnen erhalten hatte. Da ſah er, wie ſo eben zwei lange Landsmannſchafter mit rothen Mützen, die Briefcvuverts in der Hand, aus dem Frenzel ſchen Hauſe ſtürzten und der Poſt zu. Ein Haufe Mani⸗ chäer trampelte hinter drein. Ein paar Burſchen⸗ ſchafter folgten. Endlich erſchien Flügel ſelbſt, wie ein Gott, der Segen geſpendet, Hoffnungen vernichtet. Dreizehn hoffnungsloſe Phyſiognomien, auf denen ſich ſämmtlich getäuſchte Erwartung malte, wurden jetzt in den Fenſtern der vierten Etage ſichtbar und ſahen den Davvoneilenden trübſeligen Blickes nach.

Indeß mußten die Beobachtungen, die Johannes durch den Erker und Puffe angeſtellt hatte, nicht bei⸗ fällig bemerkt worden ſein, denn mit einem Male ſenkte ſich eine graue Wand herab; und wenn Jo⸗ hannes nicht die Kunſt verſtand, um die Ecke zu ſe⸗ hen, ſtand es ſchlimm. Er tobte und verwünſchte den Erkerbau und lobte es, daß keine ſolchen Glasſchränke mehr geduldet würden. Er bekam nun Flügeln nicht eher wieder zu Geſicht, als bis dieſer durch die end⸗ loſen zwei Häuſerreihen ſich durchgefreſſen und ganz nahe war, wozu es noch einer ſchönen Zeit bedurfte. Johannes benutzte dieſe, um ſeine Habſeligkeiten vol⸗