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Wirklich hatte ſich auch der Kaiſer von Oeſtreich, der in der jüngſten Zeit von ſeinen Alliirten getrennt war, in Begleitung eines einzigen Cavaliers und eines Bedienten in einer Droſchke nach Dijon flüchten müſſen.
Der Herzog von Vicenza geſtand zu, daß die Ge⸗ fangennehmung eines ſolchen gekrönten Hauptes beſſer als alle Zugeſtändniſſe auf die Friedensverhandlungen gewirkt haben würde.
Bald aber umwölkte ſich die Stirn des Kaiſers von Neuem.
„Man bedrängt mich von allen Seiten,“ ſpricht er.„Ich muß Paris decken. Paris decken? Ich weiß dies; es iſt weſentlich nöthig. Aber ich verfehle auf dieſe Weiſe all' meine Operationen. Kann ich die Hauptſtadt ihrer eignen Vertheidigung überlaſſen, bin ich Herr meiner Bewegungen. Nichts hindert mich dann, an den Rhein zu marſchiren; die Garniſon der daſigen Feſtungen und die von der Moſel an mich zu ziehen, die Landſtraßen zu ſperren, die Communi⸗ cativnen der im Herzen von Frankreich befindlichen Feinde abzuſchneiden und den Aufſtand in Maſſe zu organiſiren. Seit der Eröffnung dieſes Feldzugs habe ich mich mit dieſem Plane vertraut gemacht; ich habe ihn reiflich ausgearbeitet und entwickelt. Mein Plan ſteht feſt.“
„Sire,“ antwortet der Herzog von Viecenza,„dieſer Plan ſcheint mir allerdings vortrefflich; aber um ihn in Ausführung zu bringen—“
„Muß ich Paris verlaſſen,“ unterbrach ihn leb⸗ haft der Kaiſer.„Was wird Joſeph thun? Wird er mit Energie Widerſtand leiſten? Da liegt die ganze Frage. Ich habe den Kopf voll tauſend Ent⸗ würfen. Ungewißheit frommt nicht; und in dieſem Kriege, dem kein andrer gleicht, lebe ich nur von


