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Reiter ſprengten durch die Haufen.
„Aux armes citoyens!“ rief es von vielen Seiten. Es ging die Rachricht, daß Napoleon die Verbünde⸗ ten bereits im Rücken angreife. Der König von Preu⸗ ßen, hieß es, ſei mit einem Heere von zehntauſend Mann gefangen genommen worden. Andre Gerüchte verkündeten, die Feinde ſeien ſchon in die Vorſtädte gedrungen und ermordeten Alles, was ihnen in den Weg käme, ohne Unterſchied des Alters und Geſchlechts. Placate wurden an die Häuſer geheftet, worin die Einwohner aufgefordert wurden, ihre Läden zu ſchlie⸗ ßen und ſich auf die Vertheidigung ihrer Hänſer vor⸗ zubereiten. In den niedern Volksclaſſen zeigten ſich Symptome von paniſchem Schrecken, Wuth und Ver⸗ zweiflung. Man brüllte wie wahnſinnig nach Waffen, ohne ſolche erhalten zu können.
Wäre in dieſen Augenblicken Napolevn unter dieſe tumultuariſchen Haufen getreten, ſo würden die Heere der Verbündeten in den Straßen der Hauptſtadt ihr Grab gefunden und Paris wahrſcheinlich das Schickſal von Moskau oder Saragoſſa erlitten haben.
Es war Nachmittags vier Uhr. Noch immer floß
das Blut in Strömen. Der Prinz Joſeph hielt an
der Spitze ſeines Generalſtabes. Heranjagende Ad⸗ jutanten meldeten, daß die franzöſiſchen Linien ihre neuen Stellungen mit unerſchütterlicher Standhaftig⸗ keit behaupteten. Immer neue Bataillone ſchickten die Verbündeten zum Sturme gegen die Hauptſtadt. Plötzlich umhüllen graue Dampfwolken die Höhen des Montmartre und zu gleicher Zeit rauſchen in furchtbarer Anzahl Bomben und Kugeln über den Köpfen Joſeph's und ſeines Generalſtabes. Die Preu⸗ ßen und Ruſſen haben den Montmartre, die letzte Stütze der franzöſiſchen Linie angegriffen und rücken


