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Wie die donnernde Lawine Alles, was ſich in den Weg ſtellt, fortreißt, ſo wurden auch die gelichteten franzöſiſchen Bataillone von der Uebermacht zurück⸗ gedrängt und das Centrum gegen die Mauern der Stadt geworfen.
In der Stadt ſelbſt hörten die erſchreckten Be⸗ wohner den Donner der Kanonen immer näher kom⸗ men. Zu Hunderten durchzogen Ouvriers die Straßen und ſchrien laut nach Waffen, um den Feind zurück⸗ zuſchlagen. Nur ſechstauſend Flinten waren erſt ganz ſpät unter die Nationalgarde vertheilt worden, wäh⸗ rend in den Zeughäuſern dieſelben zu Hunderttau⸗ ſenden aufgeſpeichert lagen. Man ſchrie über Verrath und beſchuldigte den Kriegsminiſter laut des Roya⸗ lismus. Die Haufen wurden immer zahlreicher und nahmen einen äußerſt beunruhigenden Charakter an. Im Anfange hatte man einige Zeit mit betäubender Beſtürzung den entfernten Donner der Schlacht ver⸗ nommen; man hatte Verwundete und Flüchtlinge in die Barrieren einziehen ſehen und die ſchleunigen Truppenmärſche beobachtet, die zur Verſtärkung der Linie nach dem Kampfplatze eilten. Allmälig aber erlangten die zahlreichen Haufen, die auf den Bou⸗ levards und hauptſächlich in den Straßen und in der Nähe des Palais Royal verſammelt waren, größere Thätigkeit. Es begann aus den Vorſtädten und ver⸗ ſteckten Gaſſen jenes halbwilde Geſindel hervorzukom⸗ men, deſſen ſelaviſche Arbeit nur mit roher Schwel⸗ gerei abwechſelt. Es iſt größtentheils der gebildeten Klaſſe unſichtbar, und nur Perioden öffentlichen Un⸗ glücks und öffentlicher Bewegung bringt es zum Vor⸗ ſchein; wo es in der Regel die allgemeine Verwir⸗ rung und Beſtürzung vermehrt. Es ſammelt ſich zu Zeiten großer öffentlicher Gefahr, wie die Sturm⸗ vögel bei Herannahen eines tropiſchen Orkans.


