31
poleon Frankreich nicht groß gemacht, mit Ruhm be⸗ deckt, und für des Landes Wohlfahrt geſorgt nach beſten Kräften? Würde ihm das gelungen ſein, wenn eine freifinnige Oppoſition ihm fortwährend entgegen⸗ getreten wäre und der Ausführung ſeiner beſten Ideen im Wege geſtanden hätte?“
„Ich bin dem Kaiſer perſönlich,“ antwortete Car⸗ not,„von ganzem Herzen ergeben, aber mit ſeinen Herrſcherlaunen hab' ich mich nie befreunden kön⸗ nen. Ich mache auch dem großen Manne weniger einen Vorwurf über das, was er gethan hat, als darüber, was er hätte thun können. War je ein Sterblicher berufen, das Glück des Welttheils für Jahrhunderte zu gründen, war er es. Dann aber mußte er ein Mann des Volkes bleiben und nicht eitler Weiſe um die Gunſt der Könige buhlen. Was brauchte er nach den Königen zu fragen, wenn er die Völker auf ſeiner Seite hatte. Er hat ſeine Miſſion nicht erfüllt und die Strafe dafür iſt nicht ausgeblie⸗ ben. Dieſelben Fürſten, in deren Verwandtſchaft er ſich drängte, ſtehen jetzt an des Reiches Grenzen und ſind aller Wahrſcheinlichkeit nach ſein Verderben. Wie geſagt, ich bin dem Kaiſer außerordentlich zugethan, trotz dem, daß ich ſein politiſcher Widerſacher bin; er beſitzt eine hochedle Seele und ich bin ihm ſelbſt verſönlich verpflichtet. Er hat mir einen Dienſt er⸗ wieſen und auf eine Art, welche ich ihm nie vergeſ⸗ ſen werde und die für ſeinen trefflichen Charakter das beſte Zeugniß giebt.“
Eugen blickte fragend auf.
Carnot fuhr fort:
„Es war im Jahre 1809 als ich, der ich früher in Geldhaufen gewühlt und Provinzen verwaltet hatte, ſo ärmlich lebte wie ein Commis mit ſechshundert


