Eugen ſtand in ſtiller Begeiſterung vor dem Hel⸗ den, deſſen nähere Bekanntſchaft er vor Kurzem zu machen ſo glücklich geweſen war. Carnot liebte nächſt militairiſcher Bravour vor allem offene Redlichkeit, ſtrenge Gewiſſenhaftigkeit und zugleich die freimüthige Unbefangenheit der Jugend; darum hatte er Eugen, der ihm von mehren Seiten empfohlen war, in kur⸗ zer Zeit ſehr liebgewonnen, und der treffliche Jüng⸗ ling war ihm ſtets ein willkommener Gaſt.
„Schönſten Gruß,“ rief der Eingetretene,„es iſt gut, daß Ihr gekommen ſeid, habe Mancherlei mit Euch zu plaudern, denn mit mir dürfte die Reiſe in den nächſten Tagen fortgehen.“
„Ihr wollt verreiſen?“ frug beſtürzt der Jüng⸗ ling,„doch nicht auf lange Zeit?“
„Je nachdem,“ antwortete Carnot;„da hat mir der Kaiſer ſo eben die Vertheidignng von Antwerpen übertragen. Dieſe Sache kann ſich etwas in die Länge ziehen, wenigſtens ſollen die Engländer ſich ein Weil⸗ chen in Geduld üben, ehe ich ſie herein laſſe. Habt Ihr Luſt, in meine Dienſte zu treten? Doch nein,“ fuhr er nach einer Pauſe fort,„das iſt ein übler Rath; in der Champagne iſt Euer Platz, wo halb Europa ſich gegen unſer Vaterland ein Rendezvvus verſprochen.“
„Glaubt Ihr wirklich, General,“ frug der Jüng⸗ ling,„daß die Verbündeten es wagen werden, über den Rhein zu gehen und das alte Frankreich anzu⸗ greifen?“
„Bis jetzt.“ meinte Carnot,„haben ſie eine ziem⸗ liche bedenkliche Miene angenommen. Valmy ſcheint ihnen im Kopf herum zu gehen. Gleichwohl ſind ſie ſehr im Irrthume. Frankreich von 1814 iſt nicht mehr das Frankreich von 1792; ſie haben nicht mehr


