18
Eugen war einigemal ſchweigend im Zimmer auf⸗ und abgegangen. Dann blieb er vor Normand ſte⸗ hen.„Ich finde in dieſer Proelamation keine fried⸗ liche Geſinnung,“ ſprach er.
Der Banquier glaubte nicht recht gehört zu haben.
„Wie?“ frug er mit offnem Munde.
Eugen fuhr fort:„Dieſes Document iſt ganz ge⸗ eignet, unter den Franzoſen ſelbſt Zwietracht hervor⸗ zubringen. Die Alliirten trennen darin ſehr ſchlau die Perſon des Kaiſers von der franzöſiſchen Nativn. Mit euch Franzoſen, ſagen ſie, führen wir keinen Krieg, ſondern allein mit dem Störenfried, der an eurer Spitze ſteht. Dieſe Lehre, wenn ſie bekannt wird, kann nur Unheil anrichten; denn zu keiner Zeit als jetzt war es nöthiger, daß ſich das franzöſiſche Volk eng an den Kaiſer anſchließt; nur er vermag Frank⸗ reich zu retten. Uebrigens finde ich es ſehr ſonder⸗ bar, daß die Verbündeten dem Kaiſer die jüngſte Re⸗ erutenaushebung zum Vorwurfe machen. Wenn eine Million Feinde bewaffnet vor den Thoren ſtehen, iſt es das erſte Naturgeſetz, daß man ſich rüſtet. Frank⸗ reich wird ſich doch nicht mit gebundenen Händen der Großmuth ſeiner Gegner überliefern ſollen?“
„Frankreich ſoll Frieden machen,“ ſprach Nor⸗ mand,„das iſt ſeine einzige Rettung, Frieden um jeden Preis, oder wir haben Seine Majeſtät den Kaiſer Alexander in Kurzem vor den Barrieren von Paris.“
„Der Kaiſer von Rußland,“ meinte Henriette, „ſoll ein ſehr ſchöner Mann ſein und in der Galan⸗ terie gegen mein Geſchlecht hinter dem beſten Fran⸗ zoſen nicht zurückſtehen.“
„Ja, aber von ſeinen Herren Koſaken und Baſch⸗ kiren,“ bemerkte Normand,„will man ein ſolches we⸗


