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„Du meinſt die Kriegsangelegenheiten,“ ſprach ärgerlich Henriette,„von ihnen mag ich auch nichts wiſſen; das ſteht ja Alles im Moniteur; nein, mein Freund,“ fuhr ſie lächelnd fort,„was Dir ſonſt be⸗ gegnet iſt, wie Du die deutſchen Damen gefunden haſt. Giebt's wirklich in dem barbariſchen Deutſch⸗ land hübſche Mädchen? Ich kann's nicht glauben.“
„Wer ſagt Dir denn,“ frug Engen,„daß Deutſch⸗ land barbariſch ſei? Die höhern Stände in jenem Lande ſtehen uns an Geſittung und Bildung nicht nach, und was den Bürgerſtand anbelangt, hat er zehnmal mehr gelernt als der unſere.“
„Aber die Frauen und Mädchen,“ drängte die Couſine,„wie ſteht es mit ihnen? Nicht wahr, ge⸗
ſchmacklos kleidet ſich das Völkchen, wie keines?“
„Zuweilen,“ entgegnete trocken der ungalante Vetter,„wenn es die Toilette zu ſclaviſch à la Paris modelirt.“
„Abſcheulicher Menſch,“ rief das Mädchen bitter⸗ böſe,„daß Du auch die Artigkeit in Deutſchland verlernt, hätte ich nicht geglaubt.“
„Die Wahrheit iſt zuweilen herbe.“
„Die Wahrheit?“ fuhr Henriette eifrig fort;„das iſt aber keine Wahrheit, das iſt Verläumdung und Verſündigung an Deinen Landsmänninnen. Eugen, was iſt aus Dir geworden? Der Umgang mit den Deutſchen und Koſaken ſcheint nicht vortheilhaft auf Dich gewirkt zu haben!“
„Er hat auf unſere ganze Armee nicht eben vor⸗ theilhaft gewirkt,“ bemerkte der Vetter,„ſonſt würd' ich mich nicht zu Paris und die Alliirten ſich nicht vor den Thoren Frankreichs befinden.“
„Mach' mir nicht bang,“ ſprach die Couſine,„der Kaiſer wird ſie nicht über den Rhein laſſen.“


