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Erſtes Rupitel.
S ſtand am Fenſter und ſchaute düſteren Blickes auf die Straße, wo ſich ein Haufe von Käufern und Verkäufern im bunten Gemiſch durch einander trieb. Am andern Fenſter ſtand die ſchöne Henriette, mit Perlenarbeit beſchäftigt. Sie blickte von Zeit zu Zeit mit ſehr unzufriedener Miene nach dem Couſin, der in ſeiner himmelblauen, ſilbergeſtickten Uniform als kaiſerlich königlicher Ordonnanzofficier zwar recht in⸗ tereſſant vor ihr ſtand, deſſen einſilbiger Ernſt aber der lebensfrohen Pariſerin immer unerträglicher ward.
„Es iſt nicht zum Aushalten,“ ſprach ſie, ver⸗ ſtimmt aufſtehend,„welch' eine dicke, abſcheuliche Luft muß in dieſem Deutſchland wehen, die Dich in we⸗ nig Monaten zum ſpleenigen Britten gemacht hat. Ich war zwar nie Galanterien von Dir gewohnt, aber Du ſprachſt wenigſtens und wußteſt nicht übel zu erzählen; jetzt biſt Du ganzer acht Tage aus dem Felde zurück, und vergebens warten wir, daß Du uns die langweiligen Novembertage durch intereſſante Reiſeabenteuer verkürzen wirſt.“
„Was ich erzählen könnte,“ erwiederte ernſt der Jüngling,„kann einer Tochter Frankreichs nicht zur
Freude gereichen.“


