Teil eines Werkes 
12. Band, 1813 : historischer Roman : 3. Theil (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

226

ſich ihre Zahl über zweihundertundzwanzigtauſend. Der Reſt der Munition beträgt kaum ſechzehntauſend

Ladungen. Hiermit kann man das Feuer keine zwei

Stunden unterhalten. Der große, durch die Bewe⸗ gung der Armee auf Leipzig getrennte Park hat ſich nach Torgau zurückgezogen.

Unter ſolchen Umſtänden darf man nicht daran denken, das Schlachtfeld länger zu behaupten. Der Kaiſer entſchließt ſich zum Rückzuge. Er dietirt beim Scheine des Wachtfeuers dem Majorgeneral die hier⸗ zu erforderlichen Befehle. Man hat Napoleon einen hölzernen Schemel gebracht. Von den Anſtrengungen der letzten Tage erſchöpft, ſetzt er ſich nieder und finkt in Schlummer. Seine Hände ruhen, nachläſſig gefaltet, im Schvoße. Der Mann des Jahrhunderts gleicht in dieſem Augenblicke jedem andern, unter der Bürde des Mißgeſchicks erliegenden, Menſchenkinde. Die Marſchälle und Generale ſtehen verdüſtert und ver⸗ ſtummt um das Feuer, und in einiger Ferne rauſchen die zurückziehenden Truppen vorüber.

Nach Verlauf einer Viertelſtunde erwacht der Kai⸗ ſer und wirft einen großen verwunderungsvollen Blick im Kreiſe umher; er ſcheint zu fragen:Wach' ich, oder iſt's ein Traum?

Es war ein großer verhängnißvoller Augenblick in dem Leben des außerordentlichen Mannes.

Weiter zur Linken brannten noch die Wachtfeuer der jungen Garde. Düſter flammte die Glut durch die Nacht. Abſeits von ſeinem Feuer, das die Ka⸗ meraden umlagert hatten, ſtand ein junger Offizier mit verſchränkten Armen, und ſeine Blicke irrten am nächtlichen Horizonte nach der Gegend von Dresden. Es war Eugen, der bei ſeiner ausgezeichneten Tapfer⸗ keit bereits zum Unterlieutenant avancirt war.

Da nahten ſich Schritte. Eine Geſtalt, in einen