Teil eines Werkes 
12. Band, 1813 : historischer Roman : 3. Theil (1854)
Entstehung
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Die geſammte erſte Linie der Alliirten weicht auf einer unermeßlichen Strecke zurück. Man ſtellt jetzt

Batterien gegen Batterien. Eine Stunde lang be⸗

ſchießen ſich die feindlichen Armeen. Die Kugeln rich⸗ ten ungeheuere Verheerungen in beiden Linien an, ohne ſie erſchüttern zu können. Ganz in der Nähe Napoleon's werden in kurzer Zeit zwölf Kanonen de⸗ montirt. Gleichwohl behaupten die franzöſiſchen Ba⸗ taillone eine bewunderungswürdige Unbeweglichkeit mitten im wildeſten Feuer. Erſt die Nacht macht dem unerhörten Blutvergießen ein Ende.

Obſchon die Macht der Verbündeten die der Fran⸗ zoſen um das Dreifache überſtieg, hatten Letztere nicht einen Zoll breit Terrain verloren. Weder der Ueber⸗ tritt der ſächſiſchen Armee, noch der glühende und ausdauernde Muth der alliirten Truppen konnte es dahin bringen, dem Napolevn auch nur eins der Dör⸗ ſer zu entreißen, das er ſich vorgenommen hatte, als weſentlich für ſeine Stellung zu behaupten. Die Franzoſen eroberten in dieſer furchtbaren Schlacht ge⸗ gen mehr denn fünfundzwanzig Völker den hohen Ruhm, ſelbſt ihren Feinden einen großmüthigen Neid eingeflößt zu haben.

Es war dunkel geworden. Der Kanonendonner verhallt. Nur einzelne Flintenſchüſſe fielen von Zeit zu Zeit. Erd' und Himmel erglänzten von den bren⸗ nenden Dörfern und den zahlloſen Wachtfeuern.

Napoleon nähert ſich dem Feuer ſeines Bivouaks. Er dictirt Berthier die Befehle für die Nacht, als die Artilleriecommandanten Sorbier und Dulauloy her⸗ antreten und über den Verbrauch der Munition wäh⸗ rend der zwei Schlachttage berichten. Man hat wäh⸗ rend des heutigen Tages an die hunderttauſend Ar⸗ tilleriepatronen verſchoſſen; ſeit fünf Tagen beläuft

Stolle, ſämmtl. Schriften. Xl. 15