224⁴
übermüthigen, drückenden Fremdherrſchaft überdrüſſig, die Begeiſterung der geſammten deutſchen Nation für die Befreiung des Vaterlandes theilend, ſenken ihre Waffen und gehen, im Vereine mit zwei würtember⸗ giſchen Cavallerieregimentern, zu den Verbündeten über, wo ſie mit Jubel empfangen werden.
Für jeden Andern als Napolevn war nach dieſer außerordentlichen Kriſis die Schlacht verloren. Für den großen Kriegsmeiſter iſt noch nichts entſchieden.
Als ihn ein Adjutant Reynier's von dem unglück⸗ lichen Ereigniſſe benachrichtigt, verändert ſich ſeine Haltung nicht, er bleibt ruhig, ertheilt aber ſogleich Gardereſerven den Befehl, ihm zu folgen und ſprengt gegen die durch den Uebergang entſtandene Lücke.
Bernadotte hat nur noch eine franzöſiſche Diviſion vor ſich. Seine Avantgarde rückt bereits in Reudnitz
ein und befindet ſich eine Viertelſtunde von Leipzig.
Die Geiſtesgegenwart und Schnelligkeit des Kai⸗ ſers, welcher mit den Gardereſerven zur rechten Zeit anlangt, hat die entſtandene Lücke ausgefüllt und die durchbrochene franzöſiſche Linie wieder hergeſtellt. Aber der unerſchrockene Held iſt jetzt in Unruhe über den Stand der Schlacht im Centrum. Er ſprengt dahin zurück, und findet die franzöſiſchen Linien ſämmtlich in ihren frühern Stellungen.
So oft auch das Dorf Probſtheida von den Ver⸗ bündeten geſtürmt worden, ſo vft gelingt es dem Kö⸗ nig von Neapel, daſſelbe wieder zu erobern. Zu Stötteritz und Connewitz find die Alliirten nicht glück⸗ licher geweſen. Die außerordentliche Tapferkeit und Hartnäckigkeit, womit die Franzoſen ihre Stellungen vertheidigen, brachte die gegenüber commandirenden Feldherren zu dem Entſchluſſe, von dem Stürmen ab⸗
zuſtehen und ſich zurückzuziehen.


