16
Als Ruffus ſah, daß alles Reden zu nichts half, bat er den Freund, wenigſtens hinſichtlich der Frau von Sternburg mit mehr Vorſicht zu handeln und ihr namentlich nichts über den in Dresden beſtehenden Club des Tugendbundes zu vertrauen.
„Wem ſoll man noch vertrauen,“ fiel hier Rein⸗ hold exaltirt in die Rede,„wenn man einem Engel nicht trauen ſoll, dem der Himmel den Creditbrief auf das ſchöne, offene Antlitz geſchrieben? Du, ſelbſt befangen, argwöhniſch, mißtrauiſch gegen Jedermann, mit Ausnahme der Franzoſen, willſt mir jetzt noch den Glauben an das Heilige rauben, willſt mich wan⸗ kend machen im Vertrauen auf Alles, was edel und göttlich hienieden; aber es ſoll Dir nicht gelingen.“
Ruffus erkannte, daß weit eher ein Blödfinniger zur Vernunft gebracht werden kann, als ein Exaltir⸗ ter. Er ſtand daher von ſeinem fruchtloſen Bemühen ab und ſagte ärgerlich:
„Ich wünſchte, ich wär' commandirender General, da ließ ich Dich zu Deinem höchſt eignen Beſten, bis der Teufel wieder losgeht, auf eine Feſtung ſperren. Uebrigens hab' ich das Meine gethan; ich habe ge⸗ beten, gewarnt, beſchworen. Du willſt keinen Rath annehmen. Wenn Unglück hereinbricht und Du in der Gefahr umkommſt, ſoll es mir zwar leid thun, aber zu bedauern biſt Du nicht.“
Die Freunde ſtritten ſich noch geraume Zeit, bis Ruffus ganz ärgerlich über Reinhold's Unvernunft nach der Stadt zurückrannte.
Als er nach Hauſe kam, ſaß Jerome in einer Laube des blühenden Gartens, der unmittelbar an ſein Quartier grenzte und las eine von den kleinen an⸗ muthigen Erzählungen des trefflichen Zſchokke, die ihm Ruffus als leicht verſtändliche deutſche Lectüre
S—


