Schulden kommen laſſen ſollte. Ein Haus— ein Dorf aus Nachläſſigkeit in Brand zu ſtecken, wird für Nichts gehalten. Den Wohlſtand ganzer Familien, ganzer Gemeinden im Nu zerſtören, wo der ſchlecht oder leichtſinnig Denkende ſeinen Feuerbrand zehn Schritte weiter zu tragen brauchte— iſt Kleinigkeit. Ich habe weder Generale noch Offiziere geſehen, die irgend einem ſolchen Frevler den Prozeß gemacht oder die Sache gerügt und unterſucht hätten. Das c'est la guerre entſchuldigt Alles. Der lang genährte An⸗ blick ſo vielen menſchlichen Unglücks hat ſie abge⸗ ſtumpft. Noch kurz vor Dresden war ich Zeuge ei⸗ nes wahrhaft empörenden Anblicks. Mehre unſerer Tirailleurs hatten einen verwundeten preußiſchen Jä⸗ ger in der Gegend von Meißen eingeholt. Es war ein ſtattlicher Jüngling, aber von Wunden, Hitze und Strapatzen gleich hart angegriffen. Nichtsdeſtoweniger vertheidigte er ſich, an eine Weinbergmauer gelehnt, mit bewunderungswürdiger Tapferkeit. In der Hitze des Kampfes war ihm der ſchwarze Kragen ſeiner Uniform aufgeſprungen und eine rothe Bandſchleife, die er auf der Bruſt trug, ſichtbar geworden. Haſtig griff einer unſrer Tirailleure danach, in der Hoffnung, daß daran Goldeswerth befindlich ſei, und bemühte ſich, dem Verwundeten das Band zu entreißen. Aber Löwengrimm erfaßte den Jüngling; obſchon zum Tode ermattet, riß er die letzte Kraft zuſammen und ſtieß den Räuber ein paar Schritte zurück, worauf die größte Schwäche ſich ſeiner bemächtigte, ſo daß ſeine waffenloſen Arme ſchlaff zurückſanken. Da ſetzte der barbariſche Dränger gleichmüthig ſein Feuerrohr auf die Bruſt des Wehrloſen und drückte ab; aber die Vorſehung erbarmte ſich des Schlachtopfers; das Gewehr verſagte und im nächſten Augenblicke nahete
Teil eines Werkes
11. Band, 1813 : historischer Roman : 2. Theil (1854) Achtzehnhundertdreizehn
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