Teil eines Werkes 
11. Band, 1813 : historischer Roman : 2. Theil (1854) Achtzehnhundertdreizehn
Entstehung
Einzelbild herunterladen

frau im tief⸗dunkeln Kleide, aus dem der ſtolze, weiße Nacken blendend hervorſchimmerte, die ſchöne Stirn von leiſer, träumender Schwermuth überſchattet und umwogt von reichen, dunkeln Locken, gewährte ein reizendes Bild. Clärchen, unzerſtörbaren Froh⸗ ſinn um Stirn und Mund, ging im himmelblauen Kleide.

Als die beiden ſtattlichen Jünglinge eintraten, fiel Eugen's Blick zuerſt auf Clärchen, deren liebreizende Erſcheinung ihn bald alles Andere vergeſſen machte, während Jerome vor der ſiegreichen Schönheit Anna's kaum die Augen aufzuſchlagen wagte.

Nach langem, wüſtem Lagerleben und Kriegsge⸗ tümmel ſchienen die beiden Jünglinge mit Einemmale in ein Land des Friedens, wo die Engel wohnen, verſetzt worden zu ſein.

Das Geſpräch ward im Anfang franzöſiſch ge⸗ führt. Clärchen ſprach ſo liebenswürdig die Mutter⸗ ſprache Eugen's, daß das Bild des Mädchens immer heimiſcher in ſeinem Herzen wurde. Anna verharrte in ernſtem Schweigen. Sie war der franzöſiſchen Con⸗ verſation zwar in gleichem Grade mächtig wie die Schweſter, aber ſelbſt dieſe nichtdeutſchen Klänge wa⸗ ren ihr verhaßt.

Da faßte ſich Jerome ein Herz und redete ſie deutſch an. Als Clärchen aus dem Munde des ſchö⸗ nen Fremdlings die vaterländiſchen Töne hörte, klatſchte ſie, ſich vergeſſend, die Hände mit inniger Freude zu⸗ ſammen und das Wort:„Allerliebſt“ entſchlüpfte ih⸗ rem Munde.

Ein ernſter, ſtrafender Blick Anna's wies ſie in die Grenzen der Etiquette zurück. Das Mädchen er⸗ ſchrak ein wenig, erhielt aber bald die Munterkeit wieder und frug Eugen etwas neugierig, aber unbe⸗ fangen und roſenlaunig:„Sprechen Sie auch deutſch?“