Teil eines Werkes 
11. Band, 1813 : historischer Roman : 2. Theil (1854) Achtzehnhundertdreizehn
Entstehung
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Ruffus, der es bemerkte, wie der Freund die jün⸗ gere Schweſter fixirte, lächelte.

„Wie findeſt Du meinen Liebling?“ frug er.

„Allerliebſt,“ war die Antwort,„ein kleiner En⸗

gel.“ In ſeinem Herzen aber hatte bereits die an⸗ derthalb Jahre ältere Anna Platz genommen.

„Weißt Du auch,“ frug Jener weiter,„weshalb Clärchen von Anna ſo beneidet wird?“

„Was könnte die vollendet ſchöne Anna noch zu wünſchen haben?“ erwiederte der Gefragte.

„Die blonden Locken,“ erzählte der Bruder; „Anna hat ſchwarzes Haar; aber dieſe Farbe dünkt ihr dermalen nicht patriotiſch genug. Sie wünſcht ſich blonde Locken à la Thusnelde.“

Das Geſpräch in dem Damenkreiſe kam jetzt auf die Sprengung der Elbbrücke. Ruffus war der Ein⸗ zige, der dieſe Maßregel in Schutz nahm. Reinhold erklärte ſich auf eine Art dagegen, die ſein voliti⸗ ſches Glaubensbekenntniß ziemlich deutlich an den Tag legte.

Frau von Sternburg, eine junge, etwas coquette Wittwe, ſprach ſich über die mit vieler Wärme ge⸗ ſprochenen Worte des jungen Mannes ſehr anerken⸗ nend und belobend aus. Sie begleitete ihr geſpen⸗ detes Lob mit einem Blicke, der einen andern als Reinhold, in deſſen Bruſt nur Anna's Bild lebte, in den dritten Himmel gehoben haben würde.

Anna ward jetzt ebenfalls aufmerkſam auf den Freund des Bruders. Sie war zeither ziemlich theil⸗ nahmlos an ihm vorübergegangen, obſchon er in den Augen der Damen als ein höchſt liebenswürdiger jun⸗ ger Mann erſcheinen mußte. Die Patriotin zeigte dieſe Theilnahmloſigkeit, ja Nachläſſigkeit gegen alle junge Männer ihrer Bekanntſchaft. Theils waren ſie