wiedern, ohne ſich zu verneigen, eilte ſie den Gang entlang und verſchwand in den hintern Zimmern.
„Nun wird ſie gar unartig und läuft ſpornſtreichs davon,“ ſprach Ruffus ziemlich ärgerlich.„Hab' ich nicht Recht, es kommt nichts Geſcheidtes heraus, wenn ein Mädchen zu viel politiſirt.“
Reinhold, in deſſen Herzen ſich die Erſcheinung von Neuem mit unauslöſchlichen Zügen geprägt hatte, ergriff das Wort der Vertheidigung.
„Es war nicht zart von Dir,“ ſprach er,„das arme Kind ſeiner Himmelsfreude ſo ſchmählich zu be⸗ rauben durch trockene Worte und verletzende Hofmei⸗ ſterei. Enthuſiasmus iſt eine Himmelsflamme, und Sünde iſt es, auf ſo muthwillige und kränkende Weiſe ſie zu löſchen.“
„Was da,“ entgegnete Ruffus,„ich kenne meine Schweſter. Ihr Patriotismus und Enthuſiasmus iſt eine Angelegenheit der Mode. Mir ſind mehre der⸗ gleichen patriotiſche Exemplare bekannt. Gern neige ich mein Haupt vor der Vaterlandsbegeiſterung einer Polin, Spanierin, Brittin, ja wie jetzt die Sachen ſtehen, ſelbſt vor den Frauen und Töchtern des wackern Preußenvolks— aber wenn ein Mädchen, das im Leben noch nicht aus dem Meißner Kreiſe herausgekommen iſt, das den phyſiſchen und morali— ſchen Druck der Fremdherrſchaft kaum von Hörenſa⸗ gen kennt, denn unſere Familie iſt ziemlich napolev⸗ niſch geſinnt, wenn das mit einem Male, blos weil es anfängt Mode zu werden, die Patriotin ſpielt, vom deutſchen Vaterland, Römergröße, Tugend und
Aufopferung faſelt— das iſt unweiblich, Unnatur, und Nichts bringt mich mehr in Harniſch, als der⸗ gleichen.— Da lob' ich mir Clärchen, es ſchickt ſich
das Lob zwar nicht für den Bruder, aber das iſt


