Teil eines Werkes 
11. Band, 1813 : historischer Roman : 2. Theil (1854) Achtzehnhundertdreizehn
Entstehung
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herab. Es war Anna. Ihr ganzes Weſen verrieth etwas freudig Geſpanntes; die ganze Haltung und Bewegung zeigte von einer gewiſſen Haſt. Das rei⸗ zende Antlitz ſtrahlte von Freude. Ohne Reinhold im Geringſten zu beachten, eilte ſie auf den Bruder zu, umſchlang und küßte ihn.

Dieſer blickte ganz verwundert umher und konnte ſich im erſten Augenblicke das ſeltſame, wunderbar freudige Benehmen der Schweſter, mit welcher er über⸗ haupt ſelten harmonirte, gar nicht erklären, als dieſe ihm in's Ohr flüſterte:

Die Nachricht iſt da, Preußen hat Frankreich den Krieg erklärt. Das ganze Land greift zu den Waffen. Oberſt Brenner hat die Kunde direct von Breslau gebracht.

Dacht' ich ſonſt was, ſprach der in ſeiner Er⸗ wartung getäuſchte Bruder und machte das indiffe⸗ renteſte Geſicht von der Welt.Was iſt da Außer⸗ ordentliches? fuhr er fort,hab' ich das nicht gleich nach York's Abfall prophezeiht und täglich erwartet? Uebrigens begreif ich nicht, worin das gewaltige Freu⸗ dige ſteckt, wenn ſich ein paar Völker den Kampf auf Tod und Leben ankündigen, zumal für ein weib⸗ liches Gemüth, das eher davor erſchrecken ſollte.

Eine hohe Röthe der Schaam und des Unmuths überflog Anna's ſchöne Stirn. Sie fühlte, daß ſie in der erſten Aufwallung ihres patriotiſchen Herzens die Grenzen der Weiblichkeit überſchritten hatte; und nun die kühle Zurechtweiſung durch den philoſophiſchen Bruder in Gegenwart eines dritten jungen Mannes, der, wenn er ihr auch bekannt, doch ziemlich fremd war Alles mußte verletzend auf ſie wirken. Einen Augenblick ſtand ſie in reizender Verlegenheit; doch ermannte ſie ſich ſchnell, und ohne ein Wort zu er⸗