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„Freund,“ begann Ruffus, als ſie allein waren, „Du findeſt heute einen tüchtigen Thee- und Klatſch⸗ klubb bei uns. Da gilt's vorher, ſich zu ſtärken. Ein Glas Punſch bei Freund Conradi kann meines Erachtens nichts ſchaden in der feuchten Märzluft. Wir finden da zugleich Journale und Politiker.“
Reinhold ließ ſich zureden, und bald ſaßen die Beiden in der beliebten Reſtauration auf der Seegaſſe. Es befanden ſich bereits mehre Gäſte daſelbſt, auch einige franzöſiſche Offiziere. Ruffus holte ſogleich ein Paquet Zeitungen, die er vor ſich ausbreitete.
„Nichts Neues von Bedeutung,“ ſprach er nach oberflächlicher Durchſicht,„der Napoleon iſt und bleibt ein Halbgott, wenn das Alles wahr iſt, was hier ſteht. Bereits hat er eine neue Armee aus der Erde gerufen, eine wo möglich noch impoſantere als die vorjährige. Das ſoll ein Andrer nachmachen. Wie's nur in Preußen ſtehen mag? davon erfährt man nichts; den franzöſiſchen offiziellen Berichten iſt nicht zu trauen.“
Er blätterte weiter.
Reinhold, in Gedanken verſunken, hatte wenig von den politiſchen Referaten des Freundes vernom⸗ men. Sein Geiſt ſchien mit etwas ganz Anderm be⸗ ſchäftigt. Eine Frage ſchien ihm mehre Male auf den Lippen zu ſchweben. Endlich neigte er ſich et⸗ was verlegen zu dem leſenden Freunde.
„Wie geht es der Schweſter Anna?“ frug er nicht ohne leiſes Erröthen.
„Wie es einem Mädchen ergeht,“ war die Ant⸗ wort,„das ſich zu viel um Politik bekümmert. Sie härmt ſich als gute Patriotin über den Fall des Va⸗ terlandes; phantaſirt von niedergetretner Freiheit, von feſtem Zuſammenhalten, Opferungen und was derglei⸗ chen poetiſche Dinge mehr ſind.“


