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nicht zu ertragen vermochte, mich durch einen Repu⸗ blikaner verrathen zu wiſſen. Er hatte zu meiner gewaltſamen Befreiung die republikaniſchen Sectionen zu den Waffen gerufen, aber das tollkühne Wagſtück hatte keinen Anklang gefunden; nicht ein Einziger war zur Theilnahme bereit geweſen; darum glaubte der alte Fanatiker, dieſes ächte Ebenbild jener alten blutigen Apoſtel der Volksfreiheit von 93, daß ihm, um die Tugend der Republik zu retten, nichts übrig bleibe, als wenigſtens das Seinige zu meiner Be⸗ freiung beizutragen. Nachdem er daher meinem re⸗ publikaniſchen Gaſtfreunde ein Meſſer in die Bruſt geſtoßen, faßte er den wahnfinnigen Entſchluß, mich mit eigenen Kräften zu befreien. Bewaffnet mit ein paar Aexten, hatte er ſich in ſeiner verzweifelten Wuth bereits durch zwei Vorhöfe durchgeſchlagen, als mein Erſcheinen und die Verſicherung, daß ich frei ſei und an der Tugend der Republik nicht verzweifle, dem fürchterlichen Kampfe ein Ende machte.“
Georg ſchwieg. Man hatte mit Erſchütterung ſeine Rede vernommen. Henriette und Eugen drück⸗ ten einſtimmig ihr Bedauern über Timoleon's Schick⸗ ſal aus, nur der Banquier ſchwieg und ſchien im In⸗ nerſten froh, daß ein ſo waghalſiger Mann von 1793 in die Hände der Behörden gerathen ſei, als das Rollen eines Wagens, der vor dem Hauſe hielt, Hen⸗ rietten an's Fenſter rief.
„Eine Equipage der Fürſtin Borgheſe,“ rief ſie eilfertig.
„Die bringt uns Victvrinen,“ fiel Eugen haſtig ein.
Georg ſprang zur Thür hinaus und kehrte bald darauf mit der reizenden Straßburgerin, ſeinem ret⸗ tenden Engel im Triumphe zurück. Es war ein Ent⸗ zücken, ein Wiederfinden nach drohenden Gefahren,


