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„binnen vierundzwanzig Stunden muß ich Paris, und binnen acht Tagen Frankreich verlaſſen. Nehmet mei⸗ nen Dank für das Gute, ſo mir in Euerm Hauſe geworden. Ueber die jüngſte dunkle Zeit möge der Vorhang ewiger Vergeſſenheit herabfallen. Ich nehme keinen Groll mit in mein Heimathland. Lebt glück⸗ lich, immer recht glücklich.“
Er reichte mit inniger Bewegung dem ehemaligen Principal die Hand. Dieſer ſchlug nicht ohne Be⸗ ſchämung ein.
„Die Macht der Verhältniſſe“— ſtammelte er.
„Ja,“ ſprach Georg,„dieſe iſt wohl groß in Eurem Volke; aber ich mag ihm darum nicht zürnen; es giebt ſo hochherzige Ausnahmen, die allein hin⸗ reichen eine ganze Nation zu adeln.“
„Ja, wir kennen eine ſolche,“ fiel hier Eugen feurig ein;„und ſind ſtolz auf ſie.“
„Wie ein Glück ſelten allein kommt,“ ſprach der Amerikaner weiter,„ſo lernte ich dieſen Morgen noch eine zweite Ausnahme kennen.“
„Ah, der Kaiſer, der Kaiſer!“ rief Eugen,„oder ſeine anbetungswürdige Schweſter?“
Georg ſchüttelte den Kopf und erzählte:
„Als mir vor einer Stunde die Freiheit verkün⸗ det worden war und ich aus dem Gefängniſſe über die erſte Gallerie dem Hofe zuſchritt, fand ich dieſen mit Polizeiſchergen und Gefängnißwärtern angefüllt. Es war ein fürchterlicher Tumult und ein Kampf, wie mir im Leben kein zwkiter vorgekommen iſt. In⸗ mitten der zahlreichen Bewaffneten befand ſich ein Mann von wildem, martialiſchem Ausſehen, ſanscü⸗ lottenmäßig bekleidet, eine rothe Jakobinermütze auf dem Kopfe und in beiden Händen rieſige Aexte, mit welchen er in verzweifelter Tollkühnheit der ganzen
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