Teil eines Werkes 
10. Band, 1813 : historischer Roman : 1. Theil (1853) Achtzehnhundertdreizehn
Entstehung
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Funfzehntes Rapitel.

Der Banquier Normand tobte wie beſeſſen im Zim⸗ mer auf und ab. Henriette, die am Fenſter ſaß und ihn zu beruhigen geſucht hatte, wagte kein Wort mehr zu ſprechen.

Und noch heute muß ſie fort, rief der zornige Vater;iſt ſo etwas erhört worden, ein Mädchen aus beſter Familie bringt heimlicher Weiſe Nächte lang außer dem Hauſe zu, ohne daß ich, dem ſie anvertraut iſt, ein Sterbenswort darum weiß! Solche Geſchichten fehlen noch, mich vollends in Verruf zu bringen.

Henriette warf einen bittenden Blick auf den Er⸗ zürnten.

Und der Junge, der Eugen, fuhr er fort,ſoll mir nicht wieder vor die Augen kommen. Der muß um die nächtlichen Geſchichten wiſſen. In ſeiner Be⸗ gleitung hat Victorine geſtern Abend das Haus ver⸗ laſſen.

Er hatte dieſe Worte kaum geſprochen, als Eugen, Freudenthränen in den Augen, hereinſtürzte und dem Banquier um den Hals fiel.

Biſt Du von Sinnen, rief dieſer abwehrend; aber Engen ließ ſich nicht ſtören und herzte und preßte den Onkel in ſprachloſem Entzücken.

Dieſer glaubte in allem Ernſte, ſein Neffe habe den Verſtand verloren. Er machte ſich mit Gewalt los und trocknete den Angſtſchweiß von der Stirn. Eugen aber flog nun Henrietten an den Hals.

Um Gotteswillen, rief dieſe ängſtlich,was iſt Dir?

Eugen fand endlich die Sprache wieder.

Stolle, ſämmtl. Schriften. X. 14⁴