206
freiſinnigen Expectorationen, ſeine Gefangennehmung, Flucht, Wiederfeſtnahme und das dunkle Verhängniß, das ihm bevorſtehe. Sie ſtellte geſchickt Alles in ſol⸗ chem Lichte dar, daß ſich der Nordamerikaner keinen geſchicktern Anwalt hätte erwählen können, worauf ſie Gelegenheit nahm, an die Großmuth und perſönliche Milde ihres Bruders zu appelliren.
Aber je länger ſie ſprach, deſto finſtrer ward die Stirn Napoleon's.
Sie ließ ſich indeß nicht ſtören, fuhr von Zeit zu Zeit mit der kleinen weißen Hand über die Stirn Näpolevn's, gleichſam als wolle ſie deren Falten glätten, und begann immer eindringlicher, endlich im weichſten Flötentone zum Gemüthe des Kaiſers zu ſprechen.
Dieſer hatte ſchweigend zugehört. Er erhob ſich plötzlich mit den Worten:„Ruhen Sie recht wohl, Fürſtin.“
Pauline zog ihn aber mit Gewalt zurück, und begann ihr Flehen zu verdoppeln. Er verſuchte noch⸗ mals zu entkommen; es war vergebens. Sie ver⸗ ſchwendete alle Schmeichelkünſte. Sie begann wieder zu ſcherzen, machte ihn zu lachen.
„Du weißt von Joſephinen,“ ſprach er endlich verweiſend, doch nicht ohne Milde,„daß ich Weiber⸗ interventionen nicht leiden und den Gang der Ge⸗ rechtigkeit nicht hemmen kann.“
„Aber auch die Politik ſpricht für ihn,“ belehrte mit Wichtigkeit Pauline;„er iſt Nordamerikaner, und Amerika iſt Dein treueſter Alliirter gegen England⸗ Es dürfte da drüben gar böſes Blut machen, wenn ſo ein Republikaner in Paris todtgeſchoſſen würde.“
Der Kaiſer mußte lächeln, als die Schweſter auf die Politik gerieth.


