Teil eines Werkes 
10. Band, 1813 : historischer Roman : 1. Theil (1853) Achtzehnhundertdreizehn
Entstehung
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ſicht und Tone,die Audienzzeit iſt vorüber. Ruhen Sie wohl. Er wollte davon. Pauline aber, nach⸗ dem ſie ſich überzeugt, daß Niemand im Gemach, flog ihm an den Hals und drückte einen herzlichen Kuß auf ſeine Wange.

Napoleon, rief ſie in ſüßem, unwiderſtehlichem Schmeicheltone,mein kleiner, ſüßer Nap, nur zehn Worte.

Schlafengehen, Schlafengehen, Fürſtin, ſprach der Kaiſer abwehrend, noch immer unfreundlich.

Ach, die Wienerin kann immer noch ein paar Minuten warten, ſcherzte die Schweprer.

Pauline, ſprach der Kaiſer ſtreng,meine Nach⸗ ſicht hat Dich verwegen gemacht. Verſuche ſie nicht länger.

Brr! brr! mein Pferdchen, ſtreichelte die Für⸗ ſtin mit Taubenſanftmuth den Gewaltigen.

Noch immer wollte dieſer Nichts hören; aber die Krone aller Holdſeligkeit und Liebenswürdigkeit, die den Bruder nur zu gut kannte, ließ ſich nicht in die Flucht ſchlagen. Sie war ſich ihrer Macht, die ſie als Liebling des Kaiſers ausübte, bewußt, und ſo gelang es auch diesmal ihrer Roſenlaune, daß der Mann, der noch vor wenigen Augenblicken das Schick⸗ ſal Europa's dictirt hatte, halb gezwungen, halb frei⸗ willig an der Seite des unwiderſtehlichen Weſens Platz nahm.

Paulinen's Zauber verſetzte den Bruder endlich in ſo gute Laune, daß er anfing, ſie an den Locken und an den Ohrläppchen zu zupfen.

Nun, ſo ſchieße los, ſprach er gutmüthig,klei⸗ ner Wehrwolf, was für Betiſen haſt Du wieder be⸗ gangen, die ich gut machen ſoll?

Die Fürſtin erzählte jetzt Georg's Schickſal; ſeine