Teil eines Werkes 
10. Band, 1813 : historischer Roman : 1. Theil (1853) Achtzehnhundertdreizehn
Entstehung
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Wilna, die erſte reiche, bevölkerte Stadt, voller Ma⸗ gazine, Depots aller Art. Es war am neunten De⸗ cember, als ihre Nebelthürme am Horizonte empor⸗ ſtiegen. Zu Tauſenden ſtürzte man ſich, von thieriſchem Triebe geſpornt, durch ihre Thore. Jeder kämpfte, zuerſt hinein zu kommen. Es entſtand ein Gedränge, das dem auf der Bereſina nichts nachgab. Der Ein⸗ gang verſtopfte ſich. Kein Commando ward gehört, die Verwirrung war fürchterlich.

Die Einwohner verſchloſſen erſchrocken die Thüren vor den hereinbrechenden wüthenden Horden. Man drohte, wehklagte, bat, fluchte, verzweifelte, ſprengte Thore und Thüren, und ward nit Gewalt zurückge⸗ worfen auf die eiſigen Straßen. Zu Hunderten ſtar⸗ ben ſie hier vor Hunger und Kälte, während die Magazine auf vierzig Tage mit Brot, Mehl und Fleiſch für hunderttauſend Mann gefüllt waren.

Endlich gelang es Eugen und Davvuſt, für Un⸗ terkommen und Nahrung zu ſorgen. Welch eine Him⸗ melsſpeiſe gewährte trockenes Hausbrot! Welches Ent⸗ zücken, in gewärmten Zimmern es ſitzend verzehren zu fönnen! Es ſchien, als wäre man von der äußer⸗ ſten Grenze der Erde zurückgekehrt, ſo war man durch unermeßliche Leiden allen Annehmlichkeiten des Lebens entriſſen worden.

Aber kaum hatte man wenige Augenblicke der Ruhe genoſſen, da donnerten auch die ruſſiſchen Ge⸗ ſchütze. Dieſes drohende Krachen, das Rufen der Officiere, das Wirbeln der Trommeln erfüllte Alles mit neuer Verwirrung. Es war die Avantgarde des Tartaren Kutuſow. Aber vergebens ſchlug der Ge⸗ neralmarſch in den Straßen. Selbſt die alte Garde, bis auf wenige Pelotons herabgekommen, blieb zer⸗ ſtreut. Nicht den Feind, nur Hunger und Kälte