Teil eines Werkes 
10. Band, 1813 : historischer Roman : 1. Theil (1853) Achtzehnhundertdreizehn
Entstehung
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Schnee ſanken und ſtarben. Andere, ohne Mittel und Kräfte, die hohen Tannen umzuhauen, verſuchten ver⸗ gebens, den Stamm anzuzünden. Bald überraſchte ſie der Tod, einen Jeden in der Stellung, die ſie um die Bäume her eingenommen hatten.

Grauſenhaft ging es in den einzelnen, noch ſte⸗ hen gebliebenen Wohnungen her. Soldaten und Of⸗ ficiere drängten ſich hinein wie wilde Thiere. Die Lebenden, welche die Todten nicht vom Platze weg⸗ ſchaffen konnten, ſetzten ſich auf dieſe, bis auch ſie ſterbend zuſammenſanken und neuen Opfern zu Ster⸗ belagern dienten.

Oft wurden dieſe Wohnungen von den empor⸗ lodernden Flammen ergriffen, wo die vor Kälte be⸗ reits halbtodten Soldaten, die ſich nicht von der Stelle zu rühren vermochten, ein Raub des Feuers wurden.

Zuweilen brannte man ganze Häuſer allein in der Abſicht an, um ſich an den Flammen zu erwär⸗ men. Die Gluth lockte Andere herbei, welche von Kälte, Hunger, Schmerzen und Verzweiflung zum Wahnſinn gebracht, wüthend herbeirannten und ſich mit Zähneknirſchen und furchtbarem, gellendem Hohn⸗ gelächter in das Flammengrab ſtürzten, wo ſie mit fürchterlichen Zuckungen endeten. Ja, die Entmenſcht⸗ heit war ſo groß kaum wagt man den Gedanken zu denken, aber es iſt ſo Einige zogen die gerö⸗ ſteten Leichname aus der Gluth und führten dieſe empörende Nahrung zum Munde.

Unter dieſem namenloſen Elend und Gräuel hatte endlich der Haufen in Lumpen gehüllter Bettler, die Ueberreſte der großen Armee, zum Theil mit bloßen, blutenden Füßen, auf Fichtenäſte ſich ſtützend, Wilna rreicht. Wilna, ein Name voll zauberiſchen Klanges,

Stolle, ſämmtl. Schriften. X. 13