Teil eines Werkes 
10. Band, 1813 : historischer Roman : 1. Theil (1853) Achtzehnhundertdreizehn
Entstehung
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Ueberall ein Todtenſchweigen. Die Verzweiflung trat in Thränen auf die Wange, welche ſogleich zu Eis gefroren.

Wie Geſpenſter einer Schattenwelt wandelten die Reihen durch die unabſehbaren Schneewüſten. Nur der dumpfe, eintönige Schall der Schritte verkündete, daß es lebende Weſen waren, und es war nächſt dem Knarren des Schnees und den Sterbeſeufzern der überall dahin Sinkenden der einzige Laut in der un⸗ ermeßlich düſtern Stille. Kein Ausruf des Zorns, kein Fluch und keine Verwünſchung ertönte mehr, Nichts zeigte, daß noch ein Funke von Wärme oder Leben vorhanden ſei. Die Meiſten ſanken nieder, ohne nur einen Sterbelaut von ſich zu geben.

Selbſt ſolche Soldaten, die bis jetzt mit einer an Bewunderung grenzenden Entſchloſſenheit dem Ver⸗ hängniß getrotzt hatten, fingen an die Kräfte zu ver⸗ lieren. Bald brach der Schnee unter ihren Füßen, noch öfters glitten ihre Schritte auf der ſpiegelglatten Fläche aus, und ſo ſchritten ſie von Fall zu Fall, bis die Kräfte erſchöpft waren und ſie nicht wieder aufſtanden. Es ſchien, als weigere ſich der feindliche Erdboden, ſie zu tragen.

Verweilten die Unglücklichen nur wenige Augen⸗ blicke, ſo ergriff ſie der Winter mit verdoppelter Macht, und ſie waren verloren. Vergebens ſuchten ſie dann im Vorgefühle des erſtarrenden Todes, ſich vom Bo⸗ den zu erheben; ſchon ſprachlos und ſtarr thaten ſie einige Schritte, gleich Automaten, das Blut ſtarrte in den Adern, wie das Waſſer in den Flüſſen; die Erſtarrung drang vom Herzen zum Kopfe; dieſe Ster⸗ benden taumelten wie Betrunkene, aus ihren durch den immerwährenden Schnee, durch Entbehrung des Schlafs und den Rauch der Bivouaks gerötheten und