brauen nicht zum Freundlichſten zu dem Sprecher em⸗ por;„das klingt wie Meuchelmord,“ ſprach er trocken; „damit befaßt ſich ein ehrlicher Republikaner nicht. Eröffnet die Schranken des Gerichts über den Napo⸗ levn Bonaparte, ich will der Erſte ſein, der die ſchwarze Kugel in die Urne wirft; er hat den Tod hundert⸗ tauſendfach mehr verſchuldet als Ludwig Capet; aber Meuchelmord ſchändet die Sache, zu deren Beſten er verübt wird.“
„Nun ich dächte doch,“ fuhr der Italiener halb ſcherzend fort,„Eure Fouquiers Tinvilles, Eure Car⸗ riers, Eure Septembriſeurs hätten ſich ſo gewiſſen⸗ haften humanen Serupeln nicht hingegeben.“
„In Revolutionen,“ brauſte hier der Republika⸗ ner auf,„iſt die alltägliche Humanität allerdings in Belagerungszuſtand erklärt. Schurkenſtreiche, unter dem Deckmantel des öffentlichen Wohles verübt, kön⸗ nen da weniger controlirt werden; aber es bleiben drum Schurkenſtreiche und das republikaniſche Prin⸗ zip wird ſolche in keinem Falle billigen, noch viel weniger ſich ihrer bedienen.— Ich weiß es,“ fuhr er nach einer Pauſe fort,„Ihr Welſche habt hier eigne Principien, ich würde Euch ſonſt anders antworten — aber darum werdet Ihr auch erſt nach hundert Jahren für die Freiheit reif werden.“
Franzescv wollte etwas erwiedern, beſann ſich aber und ſchwieg. Timoleon, noch immer in Aufregung, fuhr fort:„Ich weiß auch,“ rief er,„daß bei unſrer Revolution von Exaltirten und Schuften Lehren des Meuchelmords häufig gepredigt werden; Marat iſt für ſeine eigne Doctrin am folgerichtigſten geſtraft worden; aber der wahre Repnblikaner wird den Meuchelmord un⸗ ter allen Deckmänteln verabſcheuen. Die Republik wird einen Tyrannen richten, aber nie meuchelmorden.“


