der Weltgeſchichte denkwürdige neunundzwanzigſte Bulletin der großen Armee, und lautete im We⸗ ſentlichſten wie folgt: Molodetzno, den 3ten Dec. 1812.
„Bis zum ſechſten November war das Wetter ſehr ſchön, und die Bewegungen der Armee wurden mit dem beſten Erfolge vollzogen. Am ſiebenten ſtieg die Kälte. Von jetzt an verloren wir in jeder Nacht Hunderte von Pferden. Bereits in Smolensk war unſer Verluſt an Cavallerie⸗ und Artilleriepferden ſehr beträchtlich. Die ruſſiſche Armee von Volhynien ſtand unſerm rechten Flügel gegenüber. Dieſer verließ die Operationslinie von Minsk und zog ſich auf Warſchau zurück. Der Kaiſer erhielt davon Nachricht zu Smo⸗ lensk am 9ten November. Wie ſchwer es ihm auch ward, in der furchtbaren Jahreszeit den Marſch fort⸗ zuſetzen, machte ihn doch die Lage der Dinge unab⸗ wendbar. Er hoffte dem Feinde zu Minsk oder we⸗ nigſtens an der Bereſina zuvorzukommen. Er brach am 13ten von Smolensk auf und übernachtete am I6ten zu Krasnvi. Die Kälte ſtieg plötzlich bis auf 16 und 18 Grad. Die Wege waren mit Glatteis bedeckt. In jeder Nacht fielen die Cavallerie⸗, Ar⸗ tillerie⸗ und Zugpferde nicht zu Hunderten, ſondern zu Tauſenden, namentlich die Pferde aus Deutſchland und Frankreich. Mehr als dreißigtauſend Pferde gin⸗ gen in wenigen Tagen zu Grunde. Unſere Cavallerie ging zu Fuß! Artillerie und Fuhrweſen blieben ohne Geſpann. Ein anſehnlicher Theil unſerer Kanonen, unſeres Kriegs⸗ und Mundvorraths mußte zurückge⸗ laſſen und vernichtet werden. Die am 6ten noch ſo ſchöne Armee ſah ſich am lüten kaum mehr ähnlich; faſt ſämmtliche Cavallerie, Artillerie und faſt alles Fuhrwerk war verloren. Ohne Reiterei konnten wir


